Zeitung Heute : Bernd Schiphorst wird Anfang Juli berufen

Torsten Hampel

Bernd Schiphorst, 57, wird am 1. Juli zum gemeinsamen Medienbeauftragten für Berlin und Brandenburg berufen. Schiphorst hat in seinem Leben viele Jobs gemacht. So viele, dass der Überblick schnell einmal verloren gehen kann. Vielleicht hat Schiphorst sich deshalb - wegen des Überblicks - sein Berufsleben lang möglichst weit oben aufgehalten.

Schiphorst sitzt seit 1998 im Vorstand von Bertelsmann Multimedia, einem Unternehmensbereich des Gütersloher Medienriesen. Ab 1995 war er Chef von AOL Europe und übernahm ein Jahr später die Leitung von Bertelsmann New Media. Neu sind die Neuen Medien für Schiphorst nicht. Im Jahr 1979, nach seinem Wechsel von der Chefredaktion des Hamburger Medien-Fachblattes "Der Kontakter" zur Bertelsmann AG, leitete er bei der Verlags-Tochter Gruner + Jahr die Stabsabteilung "Neue Medien". Wohlgemerkt zu einer Zeit, als an den PC, das Internet und die unternehmerischen Möglichkeiten daraus nur wenige ernsthaft glauben konnten.

Fünf Jahre bekleidete Schiphorst den Posten und leitete gleichzeitig das Vorstandsbüro von Gruner + Jahr. Ab 1984 stemmte er die Gründung und Startphase der Ufa Film- und Fernseh-GmbH als Geschäftsführer. In diese Zeit fallen die Einführung des Fernsehsenders RTL plus (heute RTL) und dessen Weg zur Marktführerschaft, der Start des deutschen Bezahlfernsehens mit Premiere und die Gründung von Radiostationen wie Antenne Bayern und Radio Hamburg. Bei seinem Intermezzo als Chef der kränkelnden Kölner Station Vox sorgte Schiphorst für neue Inhalte und damit für das Überleben des Senders.

Begonnen hat die Karriere gute hundert Kilometer nördlich vom Bertelsmann-Sitz. Nach einem Volontariat bei der "Nordwest-Zeitung" in seiner Geburtstadt Oldenburg geht Schiphorst 1964 nach Berlin, um an der Freien Universität Volkswirtschaftslehre, Politologie und Publizistik zu studieren. Jetzt kommt er also zurück. Bertelsmann-Manager werden mit 60 Jahren in Pension geschickt. Vielleicht ist das ein Motiv für Schiphorsts Entscheidung, sich nach 21 Jahren einen neuen Arbeitgeber zu suchen. Was sie für die hiesige Medienpolitik bedeutet, wird sich zeigen.

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