Zeitung Heute : Bertelsmann, Ford, Intel - immer mehr Firmen statten ihre Mitarbeiter mit privaten PCs und Online-Anschluss aus

Stefanie Hornig Tina Heidborn

Internet in jedes Wohnzimmer, das ist das erklärte Ziel des Medienkonzerns Bertelsmann. Zumindest in die heimische Umgebung der eigenen Mitarbeiter soll der Anschluss ans weltweite Datennetz bald Einzug halten: Diese Woche gab das Unternehmen bekannt, dass jeder einzelne der weltweit 72 000 Bertelsmänner in Zukunft die Möglichkeit erhalten soll, mit einem von der Firma gestellten PC von zu Hause aus ins Internet zu gehen. Dabei ist noch nicht klar, wie hoch die Eigenbeteiligung der Interessenten sein soll. Die genauen Einzelheiten sollen in den nächsten Tagen geklärt werden. Aber bisher ist klar, dass Bertelsmann für diese Aktion 100 Millionen Mark bereitstellen wird.

"Unser Unternehmen versteht sich als Vorreiter bei der Fortentwicklung der Möglichkeiten, die das Internet bietet. Daran sollen auch unsere Mitarbeiter teilhaben", erklärt Markus Payer von Bertelsmann. Denn für diese ist der Umgang mit den neuen Technologien eine der wichtigsten Schlüsselqualifikationen. Sie sollen die Möglichkeiten des Internets zur Informationsbeschaffung und Weiterbildung kennenlernen und auch nutzen. Nicht nur im Büro, sondern eben auch privat von zu Hause aus. Payer versteht es als Teil der "Unternehmenskultur", die Mitarbeiter mit in diese Entwicklungen einzubeziehen und damit auch zu motivieren.

Der Chiphersteller Intel hatte bereits Anfang März ganz ähnliche Pläne verkündet: Allen 70 000 Mitarbeitern weltweit, darunter 280 in Deutschland, will die Firma Computer ins Haus bringen - natürlich mit einem ganz schnellen Prozessor aus eigenem Hause, unbegrenzter Internetnutzung und Peripheriegeräten wie einem Drucker. Über die genauen Modalitäten wird derzeit noch verhandelt, im Sommer will man mit der Austeilung beginnen und zum Ende des Jahres sollen alle die, die wollen, mit einem Gerät ausgestattet sein.

"Wir wollen, dass unsere Mitarbeiter an der Internet-Revolution teilnehmen. Sie und ihre Familienangehörigen sollen mit der Entwicklung Schritt halten können", sagt Intel-Geschäftsführer Günther Jürgen. Geklärt werden müssen allerdings noch die genauen Konditionen, die von Land zu Land unterschiedlich sein können, heißt es in dem Unternehmen. So seien Telefonortsgespräche in Amerika kostenlos und damit auch der Internetzugang. In anderen Ländern müssten die Mitarbeiter dagegen das Geschenk eventuell versteuern.

Internet privat nutzen, das ist dann auch Privatsache - so schaut es bei der Deutschen Telekom aus. "Uns ist interne Kommunikation sehr wichtig", beteuert Hans Ehnert, Pressesprecher der Telekom. Die Mitarbeiter würden sowohl das Internet als auch das firmeninterne Intranet während der Arbeit im Büro sehr gut nutzen. Pläne, den Telekom-Arbeitern einen Computer ins Haus zu stellen, gebe es derzeit nicht. "Diejenigen, die immer erreichbar sein müssen, haben natürlich einen Computer mit Internetzugang auch privat bekommen", erklärt Ehnert. Da dies aber nur das Management betreffe, sei der Anteil der so ausgestatten Mitarbeiter relativ klein. Auch bei DaimlerChrysler hat man keine umfassenden Internetpläne für die Mitarbeiter. Zumindest keine, die über die allseits üblichen Mitarbeiterschulungen hinausgehen.

Irgendwo zwischen diesen unterschiedlichen Lösungen, wie man seinen Mitarbeiterndas Internet schmackhaft macht, ist das Angebot von Mannesmann/Arcor angesiedelt. Dort bekommt jeder Mitarbeiter auf Wunsch einen monatlichen Telefon-Freibetrag von etwa 100 Mark. Über die neuen Internet-Handies mit WAP-Technologie kann er den Betrag auch für den privaten Besuch im Netz verwenden.

Beim Automobilhersteller Ford ist die Orientierung am Internet bisher am stärksten ausgeprägt. Schon im Februar hat das Unternehmen bekannt gegeben, was jetzt in ähnlicher Form auch bei Bertelsmann angeboten werden soll: Jeder Mitarbeiter des Autokonzerns soll gegen eine monatliche Gebühr von etwa zehn Mark eine komplette PC-Ausrüstung inklusive Drucker und einen unbeschränkten Internet-Zugang bekommen. Die ganz konkreten Absichten, die dahinter stehen, klingen plausibel. "E-Business ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Strategie", meint Jac Nasser, Vorstandschef der Ford Motor Company. Mit dem Internetanschluss in den eigenen vier Wänden hofft er, die Fähigkeiten der Mitarbeiter auf diesem Gebiet schnell erweitern zu können. Schließlich sollen sie im Umgang mit dem Internet hervorragende Kompetenzen entwickeln. Nur so kann man nach Ansicht des Unternehmens auf dem Markt des 21. Jahrhunderts eine Führungsrolle einnehmen.

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