Zeitung Heute : Berufsabschluss für junge Arbeitslose Das Förderprogramm 501/301

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Ivonne Löst absolvierte gerade ihr zweites Lehrjahr als Textilfachverkäuferin, als sich 1994 der kleine Paul anmeldete. Das bedeutete erst einmal das Ende der Ausbildung. Nach 18 Monaten Erziehungsurlaub wollte sie ihre Lehre fortsetzen, doch von 9 Uhr morgens bis 18 Uhr abends zu arbeiten, war mit den Bedürfnissen ihres kleinen Jungen nicht zu vereinbaren. Notgedrungen kündigte sie ihren Ausbildungsplatz – und wusste erstmal nicht weiter. Heute kann sich Ivonne Löst kaum noch an ihre Ratlosigkeit erinnern. Seit rund sechs Jahren hat sie einen festen Arbeitsplatz bei der Verlagsgesellschaft Apercu – und einen Lehrabschluss als Bürokauffrau.

Eine Freundin hatte ihr vom Programm 501/301 erzählt. Das Berliner Lohnkostenzuschussprogramm existiert bereits seit 15 Jahren. Allein 1998 bis 2002 wurden rund 3600 junge Erwachsene gefördert, davon mehr als 50 Prozent Ausländer beziehungsweise Deutsche mit Migrationshintergrund. So handelte Ivonne Löst umgehend und ließ sich das Programm bei der BBJ Servis gGmbH für Jugendhilfe erklären: Wenn ein kleiner oder mittlerer Berliner Betrieb einen zusätzlichen Arbeitsplatz für junge Langzeitarbeitslose einrichtet, kann er während maximal drei Jahren einen degressiven Lohnkostenzuschuss beanspruchen. Aus Senatsmitteln und vom Europäischen Sozialfonds erhält der Betrieb im ersten Jahr 80 Prozent, im zweiten Jahr 60 und im dritten Jahr 40 Prozent des Lohnes bezuschusst. Der Arbeitgeber muss betriebliche Qualifizierung und berufsbegleitende Weiterbildung bis hin zum Berufsabschluss gewährleisten. Da Ivonne Löst die Teilnahmebedingungen erfüllte – zwischen 18 und 27 Jahre alt, seit mehr als einem Jahr arbeitslos und mangels beruflicher Qualifikation auch ohne Aussicht auf einen Arbeitsplatz, wurde sie ins Programm aufgenommen und konnte sich auf die Suche nach einem Arbeitsplatz machen. Die Verlagsgesellschaft Apercu hatte bereits gute Erfahrungen mit 501/301Teilnehmern gemacht und suchte jemanden für Sekretariatsarbeiten. Nach kurzer Einarbeitungszeit sprang Löst im Januar 1997 ins kalte Wasser und erledigte schon bald alle Aufgaben selbstständig. Der kleine Paul war in einer Kita untergebracht, die ihr BBJ vermittelt hatte. Das war umso wichtiger, als Löst nebenbei alle sechs bis acht Wochen außerbetriebliche Seminare besuchte. Im modularen Ausbildungssystem, das im Rahmen des Programms 501/301 entwickelt wurde, bilden mehrere Seminare ein Modul, das mit einer Prüfung abschließt. Löst absolvierte vier Module und schloss vor knapp drei Jahren erfolgreich die externe Prüfung zur Bürokauffrau ab. Dass ihr Arbeitgeber viel von ihren Fähigkeiten hält, beweist die Tatsache, dass Löst nach Auslaufen der Förderung übernommen worden ist. rch

www.bbj.de . 55 05 - 14 43.

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