Zeitung Heute : Berufseinstieg: Karriere-Kick

Mirjam Hägele

Fehlender Bezug zur beruflichen Praxis wird den Geisteswissenschaften immer wieder vorgeworfen. In der Regel sind die Absolventen dem freien Markt aber nicht so hilflos ausgeliefert, wie ihnen oft unterstellt wird: Im Lebenslauf des zukunftsorientierten Studenten häufen sich in jüngster Zeit Verweise auf Praxiserfahrungen. Das Zauberwort heißt Praktika.

Mit dem Blick in die Berufswelt kann man unliebsamen Überraschungen vorbeugen und sich über die eigenen Stärken klar werden. "Ein Praktikum während des Studiums ist immer sinnvoll, damit man von der Praxis nicht so kalt erwischt wird", meint Dirk Evenson, Geschäftsführer der Werbeagentur Scholz & Friends in Berlin.

Auch Katrin Enaux, Leiterin des Bereichs Management-Entwicklung bei der Bertelsmann AG in Gütersloh, verweist auf die Vorzüge von Praktika: "Im Grunde gibt es nichts Besseres, um ein Unternehmen kennen zu lernen und Kontakte zu knüpfen. Ein Praktikum ist wie eine Kurzprobezeit. Wenn man sich anschließend bewirbt, ist man nicht nur ein Foto in der Bewerbungsmappe."

Bertelsmann verfügt sogar über ein Praktikantenförderprogramm, das der Nachwuchsrekrutierung dient. Es wird versucht, die besten Praktikanten weiter in das Unternehmen einzubinden und als Nachwuchskräfte zu gewinnen. "Wichtig ist vor allem, dass ein Praktikant Interesse zeigt, motiviert ist, selbstständig arbeitet und Verantwortung für ein eigenständiges Projekt übernehmen kann.", erklärt Katrin Enaux.

Die Länge eines Praktikums - oft drei bis sechs Monate - entpuppt sich für manchen Studenten allerdings als Dilemma: Schließlich müssen viele für den Lebensunterhalt arbeiten und außerdem den Uni-Alltag meistern. Darüber hinaus ist die Frustration oft groß: Erst gibt es Absagen bei der Bewerbung. Dann müssen unter Umständen Routinearbeiten am Kopierer erledigt werden.

Johanna Burmester studiert im achten Semester Germanistik und Politische Wissenschaften und hat bereits mehrere Praktika absolviert. Ihr Patentrezept: "Nicht locker lassen, über seinen Schatten springen und Eigeninitiative ergreifen. Wenn man die Sachen selbst in die Hand nimmt, kann man das Beste für sich rausholen und fällt damit positiv auf."

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