BESETZUNGSzettel : Opa ist der Beste

Frederik Hanssen erlebt die Renaissance eines Altmeisters

Frederik Hanssen

Sie kannten sich kaum . Stephan Braunfels war vier Jahre alt, als sein Großvater starb. Als auratischen, Ehrfurcht gebietenden alten Herrn hat ihn der Enkel in Erinnerung. In der Weimarer Republik zählte Walter Braunfels zu den angesehensten Komponisten, seine Opern wurden landauf, landab gespielt, ebenso wie sein monumentales Te Deum, das der nach den traumatischen Erlebnissen des 1. Weltkriegs zum Katholizismus Konvertierte 1922 schrieb.

Dann kamen die Nazis und verboten Braunfels’ Werke. Nach 1945 galt sein fest auf der tonalen Tradition fußender Stil dann als veraltet. So sieht es der Enkel, der es als Erbauer unter anderem der Bundestags-Bürobauten am Berliner Reichstag mittlerweile selbst zu nationalem Ruhm gebracht hat, als seine Aufgabe an, Opas Œuvre dem Vergessen zu entreißen. Unterstützt wird er dabei von einer ganze Riege interessanter Dirigenten: Ulf Schirmer brachte Ende April an der Deutschen Oper Braunfels’ Vertonung des „Jeanne d’Arc“-Stoffes heraus, in der kommenden Saison widmet sich Lothar Zagrosek der Musikkomödie „Die Vögel“. Bereits in dieser Woche stellt Manfred Honeck mit dem Deutschen Symphonie-Orchester das „Te Deum“ vor. Eine Renaissance nimmt ihren Lauf.

Philharmonie, So 8.6.,

20 Uhr, ab 15 € BK728

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