BESETZUNGSzettel : Weiche, Wotan!

Frederik Hanssen mag Wagner auch gesprochen

Frederik Hanssen

Eine Aufführung von Richard Wagners „Der Ring des Nibelungen“ bringt jedes Opernhaus an den Rand seiner Leistungsfähigkeit: Im Graben ein Riesenorchester, auf der Bühne Riesen, Zwerge, Götter und Drachen. Die Gesangspartien sind mörderisch, händeringend wird weltweit nach guten Wagner-Interpreten gesucht.

Am Deutschen Theater stellen sich solche Probleme zum Glück nicht. Weil dort keine Arien gesungen werden – möchte man fast meinen. Nein: Weil dort der genialische Gesamtkunstwerker Stefan Kaminski die wagnerschen Musikdramen als One-Man-Show zelebriert. Das „Rheingold“ hat er bereits im Alleingang gestemmt, mit so viel Erfolg beim tendenziell eher opernphoben Publikum, dass die Show von der Box in die Kammerspiele verlegt wurde. Hier hat Freitag auch Die Walküre Premiere, wiederum mit Stefan Kaminski in allen Rollen, musikalisch unterstützt von einer Tuba und einer Geige. Bühnenbrimborium braucht der Multimime nicht, weil er allein durch die Modulationen seiner Stimme den Figuren Profil gibt – ganz so, als besäße er tatsächlich jenen Tarnhelm, dem in der Opern-Tetralogie alle nachjagen: weil man damit flugs jede beliebige Gestalt annehmen kann.

Deutsches Theater, Fr 16.5., 20 Uhr, ab 14 €

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