Zeitung Heute : Besser ist Wissen

Der Bildungsgipfel an diesem Mittwoch in Dresden beschäftigt sich mit dem Bildungssystem von der Kita bis zur Uni. Wo gibt es die größten Probleme, und was für Lösungen hat sich die Politik überlegt?

Anja Kühne Tilmann Warnecke

Bildung ist mehr als Schule und Uni – darüber herrscht Einigkeit. Weniger dagegen, wie einzelnen Problemen zu begegnen ist. Das zeichnete sich auch vor dem Bildungsgipfel in Dresden ab:

KRIPPEN UND KITAS

Krippen und Kitas gelten heute nicht nur als Betreuungs-, sondern auch als Bildungseinrichtungen. Bereits beschlossen haben Bund, Länder und Kommunen, bis zum Jahr 2013 ein „qualitätsorientiertes Betreuungsangebot“ für 35 Prozent der Kinder unter drei Jahren zu schaffen und dafür 80 000 neue Erzieherinnen und Erzieher zu qualifizieren. Das kostet 12 Milliarden Euro, der Bund zahlt davon vier Milliarden. Ab 2014 stellt der Bund den Ländern jährlich mindestens 770 Millionen Euro als Zuschuss zu den Betriebskosten zur Verfügung. Ebenfalls längst beschlossen haben die Kultusminister Bildungsprogramme für die Kitas. Viele Erzieherinnen sagen aber, sie hätten angesichts der großen Gruppen kaum Zeit, etwas davon umzusetzen. Davon wird beim Bildungsgipfel aber nicht die Rede sein.

SPRACHFÖRDERUNG

Kinder müssen mit guten Deutschkenntnissen in die erste Klasse kommen: Seit dem Pisa-Schock steht das ganz oben auf der Agenda der gewünschten Bildungsreformen. Doch zu bundesweit verbindlichen Sprachtests und Sprachkursen konnte man sich nicht durchringen. Das soll erst jetzt nachgeholt werden. Bis 2010 sollen die Länder Sprachtests für alle Kinder vor der Einschulung einführen. Bis 2012 soll es dann Sprachkurse vor der Schule geben. Für Kinder, die heute drei Jahre alt sind, zu spät: Sie sind dann schon in der zweiten Klasse.

ABBRECHER

Rund 70 000 Jugendliche verlassen jedes Jahr die Schule ohne Abschluss. Auf dem Bildungsgipfel wollen Bund und Länder nun beschließen, die Zahl der Abbrecher bis 2015 von jetzt acht auf vier Prozent zu halbieren, wie auch die Zahl der jungen Erwachsenen ohne abgeschlossene Berufsausbildung (von 16 auf acht Prozent). Mit diesem Ziel würden Kanzlerin und Ministerpräsidenten aber deutlich hinter den Zeitplan zurückfallen, den sich die EU vor acht Jahren mit der Lissabon-Strategie gesetzt hatte: bereits bis 2010 die Zahl der Schulabbrecher zu halbieren. Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) hat sich durchgesetzt: Wer seinen Hauptschulabschluss nachholen will, hat ein Recht auf finanzielle Förderung.

GANZTAGSSCHULEN

Ganztagsschulen sind ein entscheidender Schlüssel für eine bessere Förderung. Doch Ganztagsschulen sind teuer, sie brauchen geeignete Räumlichkeiten und viel Personal. Die ehemalige Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) hatte nach dem Pisa-Schock ein Vier-Milliarden-Programm aufgelegt und tausende neuer Ganztagsschulen geschaffen. Weil der Bund kein Geld für Lehrer ausgeben darf, konnten nur Baumaßnahmen finanziert werden. Auch das haben die Ministerpräsidenten unionsgeführter Länder aber als Einmischung verstanden. Seit der Föderalismusreform darf der Bund deshalb überhaupt kein Geld mehr für die Schule ausgeben. Bisher sieht es aber nicht so aus, als wollten die Länder sich beim Bildungsgipfel auf einen weiteren Ausbau der Ganztagsschulen verpflichten. Auch der aus Sicht der Schulen sicher attraktive Vorschlag der SPD, die Schulen mit vom Arbeitsministerium finanzierten Sozialarbeitern zu stärken, findet bisher keine Zustimmung bei der Union.

STUDIENPLÄTZE

In den kommenden Jahren steigt die Zahl der Studierenden noch einmal stark an. Deswegen wollten Bund und Länder mit einem gemeinsam finanzierten „Hochschulpakt“ neue Studienplätze schaffen. Doch die westdeutschen Flächenländer rufen zwar das Bundesgeld ab, bleiben aber weit hinter ihren Zusagen zurück: Baden-Württemberg um über 4000 Plätze, NRW um über 7000 Plätze und Hessen um 2400 Plätze. Mittlerweile wird aber über die Fortsetzung des Hochschulpakts nach 2010 verhandelt. Ein gutes Zeichen für den Bildungsgipfel ist, dass dabei von einer realistischen Zahl ausgegangen wird: von 275 000 zusätzlichen Studienanfängern bis 2015. Allerdings steht noch nicht fest, wie viel Geld für einen Platz ausgegeben werden soll. Bis jetzt ist der Pakt unterfinanziert.

NUMERUS CLAUSUS

Wegen des Mangels an Studienplätzen haben die Hochschulen weit über die Hälfte der Studiengänge mit einem Numerus clausus belegt. Die SPD hat sich deshalb vom Bildungsgipfel einen Beschluss gewünscht, wonach diese Quote um die Hälfte reduziert wird. Dieses konkrete Ziel wird aber wohl nicht vereinbart.

STUDIENGEBÜHREN

Die SPD fordert, dass die unionsregierten Länder die Studiengebühren abschaffen. Das dürfte aber kaum geschehen.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben