Zeitung Heute : Besser suchen

Die Neofonie-Chefs Nurhan Yildirim und Helmut v. Ankershoffen entwickeln Portale und fordern Google heraus

Katja Gartz

Die meisten tragen Jeans, T-Shirts und Turnschuhe. Sie sitzen an hochmodernen Computerplätzen und sind im Schnitt kaum älter als Anfang dreißig. Sie lieben Algorithmen und Informationstechnologien. Im sechsten Stock wird geforscht, darunter alles kundengerecht umgesetzt. Die neuesten Ergebnisse und Entwicklungen werden in der Küche oder auf der Terrasse mit Blick auf die Charité ausgetauscht. Die Stimmung ist hoch professionell und universitär leger.

Die 160 Mitarbeiter, darunter viele Mathematiker und Informatiker, arbeiten bei der Neofonie GmbH, die sich auf Technologieentwicklung und Informationsmanagement spezialisiert hat. In der Praxis heißt das: Neofonie entwickelt etwa Internetsuchmaschinen, komplexe Internetportale für Unternehmen mit diversen Nutzungsmöglichkeiten und Anwendungen für Mobiltelefone. Gemeinsam mit einem wissenschaftlichen Beirat unterstützt das Unternehmen seine Kunden auch dabei, Geschäftsideen im Online-Business optimal umzusetzen – vom Businessplan bis zum fertigen Produkt.

Gegründet wurde Neofonie 1998 von Helmut Hoffer von Ankershoffen und Nurhan Yildirim, beide studierte Informatiker. „Damals war das Internet noch ein ganz zartes Pflänzchen, in der Informatik taten sich ganz neue Entwicklungen auf“, sagt Yildirim, die in Schöneberg aufwuchs. Ihre Eltern stammen aus Anatolien, kamen als Gastarbeiter nach Berlin, wo auch die fünf Kinder geboren wurden. „Eigentlich wollten meine Eltern immer zurück“, berichtet die Informatikerin, die selbst nur selten in die Türkei fährt.

Gemeinsam mit einem ihrer heutigen Gesellschafter entwickelten sie an der Technischen Universität Berlin die Suchmaschine Fireball – ein Urgestein der deutschen Internetwelt. „Das war von 1997 bis 1999 die meistbesuchte Internetseite in Deutschland“, berichtet von Ankershoffen. Auch die Entwicklung der Suchmaschine Paperball geht auf die findigen Unternehmer zurück. „Danach wollten wir endlich raus aus dem Eiffelturm“, sagt der Geschäftsführer. Sie verkauften Fireball an Gruner + Jahr, liehen sich von ihren Eltern 70 000 DM und gründeten ihr eigenes Unternehmen ohne Businessplan.

Der große Erfolg der Suchmaschine Fireball verschaffte ihnen einen guten Ruf in der Branche. „Unsere Kunden gewannen wir durch Mund-zu-Mund-Propaganda“, berichtet von Ankershoffen. Zu diesen zählten beispielsweise AOL und E-Bay und bald alle großen Verlage. Die findigen Visionäre kamen schnell auf den Gedanken, dass Mobiltelefone sich nicht nur zum Telefonieren eignen und gründeten das Tochterunternehmen Neofonie Mobil. „Durch unsere eigene Forschungsabteilung können wir Wünsche unserer Kunden schnell bedienen“, sagt von Ankershoffen. In der Forschung kooperiert das Unternehmen mit den Universitäten in Berlin und Potsdam sowie dem Fraunhofer- und dem Hasso-Plattner-Institut.

Das Unternehmen ist seit Anfang 2008 um hundert Prozent gewachsen. Neue Mitarbeiter suchen sie ständig. „Immer wenn andere schrumpfen, bleiben wir stabil und wenn andere wachsen, dann wachsen wir mit“, berichtet der Geschäftsführer. Künftig wollen sie Google Konkurrenz machen. Während die wohl am stärksten genutzte Suchmaschine alles kopiere, wolle Neofonie mit seiner neuen Suchmaschine We Find im Internet eine zielgerichtete Suche ermöglichen. Ein weiteres Projekt ist, semantische Suchfunktionen zu schaffen. „Die Technik soll Fragen besser verstehen, damit der Nutzer bessere Antworten erhält“, sagt Ankershoffen, der in Weinheim bei Heidelberg aufwuchs. Seine Vision ist, Computer zu entwickeln, die zu Assistenten von Menschen werden. Dann könnten Menschen ihre Kreativität besser ausleben.

www.neofonie.de

Immer wenn andere schrumpfen, bleiben wir stabil und wenn andere wachsen, dann wachsen wir mit.“

Nurhan Yildirim und Helmut Hoffer von Ankershoffen, Neofonie-Gründer

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