Zeitung Heute : Bessere Heilungschancen bei Brustkrebs

Der Tagesspiegel

Von Adelheid Müller-Lissner

„Jeden Tag kommen Patientinnen mit Tumoren zu mir, die schon mehrere Zentimeter Durchmesser haben.“ Manfred Kaufmann, Direktor der Universitäts-Frauenklinik in Frankfurt/Main, kämpft dafür, dass die Frauen schon früher kommen. Trotzdem zuerst die guten Nachrichten: Viele dieser Knoten können heute in kurzer Zeit drastisch verkleinert werden. Möglich macht dies eine Chemotherapie vor der Operation.

Die Zellgifte, die dabei gegeben werden, wirken im ganzen Körper. Für die Brust selbst ergibt sich der Vorteil, dass sie mit größerer Wahrscheinlichkeit erhalten werden kann, wenn der Tumor schon vor der Operation schrumpft. „Die Patientin kann selbst tasten, wie der Krebs kleiner wird", sagt Kaufmann.

Das ist ein starker Anreiz, die Behandlung trotz Nebenwirkungen gut durchzustehen. In insgesamt etwa 70 Prozent aller Fälle kann heute Brust erhaltend operiert werden. Die Methoden wurden in den letzten Jahren sehr verfeinert, auch die für den Wiederaufbau der Brust aus körpereigenem Gewebe.

Trotzdem setzen sich Mediziner wie Kaufmann, Vorsitzender und Initiator der „Aktion Bewusstsein für Brustkrebs", vehement dafür ein, dass alle Mittel genutzt werden, um Knoten in der Brust möglichst früh zu erkennen. Dazu gehören auch Reihenuntersuchungen.

Ausbreitung über das Blut

Denn die bösartigen Wucherungen halten sich nicht an Organgrenzen, Brustkrebs bleibt nicht Brustkrebs. Er gehört sogar zu den Krebsformen, die sich besonders schnell über das Blut und die Lymphbahnen verbreiten und Absiedlungen an ganz anderen Stellen bilden. Früherkennung ist deshalb gerade beim Brustkrebs lebensrettend: Dann liegen die Heilungschancen bei 90 Prozent.

Seit den 70er Jahren versucht man mit Chemotherapien, schon den noch nicht erkennbaren Mikrometastasen zu Leibe zu rücken. Nun gibt es Hinweise darauf, dass das Ausmaß des Erfolgs der neuen, vorverlagerten Chemotherapien den behandelnden Ärzten schon früh sagen könnte, mit welcher Art von Brustkrebs sie es zu tun haben. Das könnte in Zukunft Auswirkungen darauf haben, welcher Weg anschließend in der Therapie eingeschlagen wird.

Wichtiger Wächter-Lymphknoten

Auch der Zustand der Lymphknoten der Achselhöhle gibt den Ärzten wichtige Aufschlüsse. Nach ihrer Entfernung haben viele Patientinnen aber Beschwerden im Arm. Deshalb erscheint ein Verfahren attraktiv, für das nur der besonders aussagekräftige „Wächter-Lymphknoten" entfernt werden muss. Beim Krebskongress wurde jedoch davor gewarnt, das neue, auch technisch schwierige Verfahren jetzt schon außerhalb klinischer Studien einzusetzen.

Über neue Entwicklungen bei der Behandlung mit Medikamenten berichtete Kurt- Possinger von der Charité. Die Beeinflussung der Hormon-Situation spielt offensichtlich auch bei jungen Frauen eine wichtige Rolle - wenn ihr Tumor dafür die richtigen Antennen hat, also Andockstellen für Östrogene. So hat bei Frauen vor den Wechseljahren eine zweijährige Unterdrückung der Funktion ihrer Eierstöcke ebenso gute Ergebnisse gebracht wie eine Chemotherapie mit einer Kombination von Zellgiften. Die Nebenwirkungen sind deutlich geringer.

Renaissance der Strahlentherapie

Auch wenn man heute weiß, wie schnell Brustkrebs „streuen" kann und die Behandlung früh darauf einstellt, bleibt der Ursprungsort wichtig. „Man spricht inzwischen von einer Systemerkrankung mit lokaler Komponente", erklärte Kaufmann.

Eine Renaissance erlebt die Strahlentherapie. Seit Jahren ist unstrittig, dass nach einer Brust erhaltenden Operation in den meisten Fällen, bei großen Tumoren oder vielen befallenen Lymphknoten aber auch nach einer Entfernung der Brust, eine Bestrahlung sinnvoll ist.

Wie der Strahlentherapeut Jürgen Dunst aus Halle beim Kongress erklärte, haben Studien jetzt aber auch gezeigt, dass dadurch nicht nur die Bildung neuer Geschwulste in der Brust verhindert, sondern auch messbar Einfluss auf das Überleben genommen wird. Ermutigend sind erste Ergebnisse von gezielten Strahlenbehandlungen mit niedriger Dosis noch während der Operation.

Wichtige Adressen:

Brustkrebs-Initiative e.V., Holsteinische Straße 30, 12161 Berlin, Telefon:85995131, www.brustkrebs.net

Krebsinformationsdienst (KID), Deutsches Krebsforschungszentrum, Telefon: 06221/410121, www.krebsinformation.de

Deutsche Krebsgesellschaft e.V., Telefon:069/630096-0, www.krebsgesellschaft.de

Deutsche Krebshilfe e.V., Telefon: 02228/72990-0, www.krebshilfe.de

Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V., Telefon: 0621/24434, www.frauenselbsthilfe.de

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben