Zeitung Heute : "Bessere Makler-Ausbildung tut not" - Interview mit RDM-Chef Wolfgang Gruhn

Der fünfzigste Jahrestag - gab es vor dem Kri

In dieser Woche feiert der Ring Deutscher Makler seinen 50sten Jahrestag. Mit dem Vorsitzenden des RDM in Berlin, Wolfgang Gruhn, sprach Ralf Schönball.

Der fünfzigste Jahrestag - gab es vor dem Krieg keinen Ring Deutscher Makler?

Doch, es gab einen Reichsverband Deutscher Makler. Der wurde aber im Zuge der Machtübernahme der Nationalsozialisten geschlossen. Die Nazis gliederten ihn in das System der Wirtschaftsverbände ein. Sie wollten auch unsere jüdischen Mitglieder ausschließen. Doch im Verband gelang es ihnen nicht, einen entsprechenden Beschluss durchzusetzen. Die Mehrheit im Vorstand sprach sich dagegen aus. Später schalteten die Nazis den Vorstand gleich.

War der Neuanfang nach dem Krieg problematisch?

Es gab kaum noch Makler und Hausverwalter in der Stadt. Die Wirtschaft und der Wohnungsbau waren zu weiten Teilen zerstört. Das war im Jahr 1949. Die Berliner gründeten dennoch ihre Vereinigung in der Stadt und noch im selben Jahr traten sie dem Bundesverband des Rings Deutscher Makler bei.

Um das Bild des Maklers ist es in der Öffentlichkeit nicht zum Besten bestellt. Wie kommt das?

Zu viele Makler haben weder eine Qualifikation noch eine Ausbildung. Das ist ein großes Problem, denn allein in der Grundstücksvermittlung setzt unsere Branche Milliarden um. Ähnlich hohe Vermögenswerte betreuen Hausverwaltungen. Trotzdem kann jeder eine Zulassung beantragen, ohne eine Ausbildung nachzuweisen. Das ist in vielen europäischen Staaten anders. Dort ist unser Beruf durch eine Ausbildung geschützt und für die Ausübung ist eine Lizenz Voraussetzung. Der Ring Deutscher Makler hofft, dass die Europäische Union diesen Missstand in Deutschland korrigiert. Hierzulande sprechen zwar viele von der Gewerbefreiheit, meines Erachtens ist der Schutz des Verbrauchers aber wichtiger. Eine neue, europaweit geltende Gesetzgebung muss her. Makler und Hausverwalter sollten zumindest ein Diplom nachweisen, zu dessen Erlangung sie kaufmännische, juristische und praktische Kenntnisse erwerben müssten. Die Voraussetzungen dafür schuf der Ring Deutscher Makler durch die Gründung unserer Deutschen Immobilien-Akademie in Freiburg. Sie bietet eine Ausbildung an, die vier Semester dauert und die Teilnehmer mit dem Grad eines Immobilien-Wirtes abschließen können. Diese Ausbildung erfolgt nach dem so genannten dualen System. Das heißt, die Auszubildenden erwerben sich Praxis durch ihre Arbeit in einem Unternehmen der Immobilienbranche und drücken parallel dazu jedes Quartal einige Wochen die Schulbank in Freiburg.

In jüngerer Zeit machen Ihnen Internet und Call-Center zur kostenlosen Wohnungsvermittlung Konkurrenz. Befürchten Sie nicht, dass diese neuen Instrumente Ihren Berufsstand gefährden?

Der Ring Deutscher Makler installierte bereits vor einem Jahr ein eigenes Immonet. Das befindet sich im Internet und bietet dem Interessenten eine Auswahl unter rund 10 000 Objekten in ganz Deutschland. Gefällt ihm eine Wohnung, kann er sich über das Netz an die betreffende Makler-Firma wenden und erhält dort sach- und fachkundige Beratung. Wichtig ist, dass bei unserem System der Makler vor Ort zur Verfügung steht, mit dem Interessenten eine Besichtigung vornimmt, bei einem Immobilien-Erwerb Finanzierungs-Vorschläge unterbreitet und spezielle Wünsche des Interessenten berücksichtigt. Bei anderen Internet-Angeboten gibt es keinen vergleichbaren Service.

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