Zeitung Heute : Best of ARDund ZDF

Der Tagesspiegel

Seit Freitag können Fernsehzuschauer in den USA ein Programm mehr empfangen: „German TV“. Das Programm ist das Pay-TV- Angebot von ARD, ZDF und Deutsche Welle (DW) in Berlin. Die Intendanten der drei Partnersender haben es mit hohen Erwartungen gestartet: Bis 2009 sollen 70000 Haushalte „German TV“ für 15US-Dollar (17Euro) im Monat abonniert haben; mit dieser Zahl wäre der „Break Even“ erreicht.

„German TV“ besteht zu jeweils 40 Prozent aus Sendungen von ARDund ZDF, Deutsche Welle-tv steuert den Rest bei. Nach einem Probelauf soll vom 8.April an „German TV“ als Vollprogramm ausgestrahlt werden. Für den Satellitenempfang müssen sich die Zuschauer in den USA eine Empfangsanlage für rund 400US-Dollar (460 Euro) zulegen. Geplant ist auch die Einspeisung in regionale Kabelnetze.

Die Beteiligung der öffentlich-rechtlichen Sender wurde vom ARD-Vorsitzenden Fritz Pleitgen, von ZDF-Chef Dieter Stolte und DW-Intendant Erik Bettermann als „Qualitätssprung für die mediale Außendarstellung der Bundesrepublik Deutschland“ gefeiert. Da ist was dran: „German TV“ als rein deutschsprachiges Vollprogramm bietet ein aktuelles „Bestof“-Angebot des öffentlich- rechtlichen Fernsehens–Nachrichten von der „Tagesschau“ bis zum „heute journal“, die Talk-Shows von Sabine Christiansen und JohannesB.Kerner, „Tatort“, das ZDF- Fernsehspiel und Fußball-Bundesliga. ARD und ZDF liefern ihre Programme kostenlos zu.

Der Bund hat bis 2005 eine jährliche Finanzierung von 5,1 Millionen Euro zugesagt. Julian Nida-Rümelin, Staatsminister für Angelegenheiten der Kultur und der Medien, und damit für den steuerfinanzierten Auslandssender Deutsche Welle zuständig, sieht mit „GermanTV“ einen „Paradigmenwechsel“ eingeleitet: „Mit der Teilnahme von ARD und ZDFwird es einen anderen Fernsehauftritt von Deutsche Welle-TV in der Welt geben.“ Nida-Rümelin hatte sich in der Vergangenheit mit der bisherigen Qualität des Auslandsfernsehens unzufrieden gezeigt. Zweitens, so der Staatsminister, müsse sich „ German TV“ selbst tragen. Der Bund hat seiner Anschubfinanzierung schließlich eine zeitlich enge Grenze gesetzt. Bei zu niedrigen Abo-Zahlen wird die Unterstützung gestoppt.

Entsprechend ist „German TV“ auf Erfolg gepolt. Nach Aussage von DW-Intendant Bettermann startet jetzt die Abo-Akquise mit „Klinken putzen“. In den USA gebe es „eine Million Haushalte, in denen mindestens eine Person Deutsch spricht“. Die USA werden als Einstiegsmarkt für „German TV“ gesehen, noch in diesem Jahr sollen Kanada und Lateinamerika folgen. Ist das Programm als Pay-TV ökonomisch erfolgreich, dann ist seine zusätzliche Ausstrahlung als Free-TV in anderen Teilen der Welt geplant. Für das bisherige Programm von Deutsche Welle-tv, das erst einmal erhalten bleibt, hieße die Konsequenz: Verwandlung in ein Fremdsprachenangebot.

Joachim Huber

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