Zeitung Heute : Bestanden haben diesmal alle Kandidaten

Bodo Richert

Den einen oder anderen richtig kalten Tag und Nachtfröste wird es in den kommenden Wochen sicher noch geben. Aber insgesamt stehen die Zeichen inzwischen auf Frühling. Und das bedeutet, dass man nun bald von den Winterreifen auf Sommerreifen umrüsten kann. Die Händler haben alle Neuheiten für diesen Sommer in ihren Regalen, und wer neue Reifen für die warme Jahreszeit braucht, sollte sich jetzt darum kümmern. Denn noch stehen alle Fabrikate und Größen zur Wahl, und da der Andrang beim Handel sich noch in Grenzen hält, gibt es auch genügend Zeit für eine ausführliche Beratung. Hilfreich neben der Fachberatung sind zudem die Ergebnisse der aktuellen Sommerreifentests, zu denen traditionsgemäß auch der große Test des ADAC und der Stiftung Warentest gehört.

40 Reifen der beiden Größen 175/65 R14 und 195/60 R15 wurden diesmal unter die Lupe genommen. Neben bekannten Markenprodukten wurden dabei auch zahlreiche sogenannte No-Names weniger bekannter Hersteller untersucht. Erfreuliches Gesamtergebnis dieses Tests: kein einziger Kandidat musste als "nicht empfehlenswert" eingestuft werden. Offenbar hat die Reifentechnik in den vergangenen Jahren so große Fortschritte gemacht, dass neun Reifen mit "besonders empfehlenswert" die Bestnote erzielten und weitere 19 Reifen mit der Einstufung "empfehlenswert" abschlossen und der Rest von zwölf Kandidaten ein "mit Einschränkungen empfehlenswert" erreichte. Kein einziger Kandidat versagte beim Schnelllauftest. Und mit dem koreanischen Hankook K 701 kam in der kleineren Klasse erstmals ein weniger bekannter Hersteller auf das Siegertreppchen.

Das teilt er sich bei den Reifen der Größe 175/65 R14 mit dem Firestone F 590 FS, dem Bridgestone B 330 EVO, dem Pirelli P 3000 Energy und dem Uniroyal Rallye 680. Zu den Siegern der Klasse 195/60 R15 gehören der Continental Premium Compact, der Bridgestone ER 70, der Pirelli P 6 und der Uniroyal Rallye 540. Unter den Reifen, die mit "empfehlenswert" abschnitten, finden sich auch solche Produkte wie der Brillantis und der Bravura von Barum, der Maloya Crono 465, der Maragoni Trio, der Nokia NRH und als weiterer Reifen von Hankook der Optimo K 406.

Testsieger beim aktuellen Sommerreifentest konnte nur werden, wer in allen Disziplinen gut abschnitt. Reifen, die zwar bei einzelnen Tests sehr gute Ergebnisse brachten, in anderen Disziplinen aber Schwächen zeigten, landeten deshalb auf den Plätzen. Wichtigstes Kriterium beim Test von Sommerreifen ist übrigens das Verhalten auf nasser Fahrbahn, das mit 35 Prozent in die Gesamtnote eingeht. Das beste Einzelergebnis in dieser Disziplin erzielte mit der Note 1,6 der 175er-Reifen Uniroyal R 680. Mit je 20 Prozent schlagen das Fahrverhalten auf trockener Fahrbahn und der Verschleiß zu Buche. Testsieger auf trockener Fahrbahn wurde mit der Spitzennote 1,1 der 195er-Reifen Firestone Firehawk 700 FS, während als verschleißfesteste Reifen der Pneumant P72 und der Fulda Diadem Linero, beide als 175er-Reifen, die Nase vorn hatten. Mit je zehn Prozent gehen Fahrkomfort und Rollwiderstand in die Gesamtnote ein. Als rollwiderstandsärmster und deshalb die Verbrauchswerte besonders günstig beeinflussender 175er erwies sich der Goodyear GT3. Mit fünf Prozent bewertet wird schließlich das Außengeräusch, das bei der Vorbeifahrt mit Tempo 80 bei ausgeschaltetem Motor gemessen wird. Hier erwiesen sich der 175er-Reifen Marshall KR 11 und der 195er-Reifen Michelin Energy XH 1 als wahre Flüsterreifen, während der lauteste Kandidat der Fulda Carat Attiro war.

Da die Reifenhersteller ihre Produkte zu sehr unterschiedlichen Konditionen an die Händler verkaufen, ergeben sich entsprechend unterschiedliche Verkaufspreise. Deshalb lohnt sich vor dem Kauf ein ausführlicher Preisvergleich. Dabei sollte man allerdings nicht allein auf den Reifenpreis blicken, sondern auch auf die Kosten für die Montage und das Auswuchten. Bei den reinen Reifenpreisen ermittelten die Tester für Reifen der Größe 175/65 R14 Preise von 36 Euro an aufwärts, während für einen Reifen der Größe 195/60 R15 mindestens 55 Euro bezahlt werden mussten. Und immer wieder bestätigte sich, dass auch empfehlenswerte Reifen zu durchaus attraktiven Preisen angeboten werden, so dass Qualität nicht unbedingt auch teuer sein muss.

Sommerreifen sind speziell für trockene und nasse Fahrbahnen bei warmer Witterung konstruiert. Deshalb entfalten sie ihre besonderen Qualitäten auch nur unter diesen Bedingungen und sind für winterliche Fahrbahnen ungeeignet. Deshalb sollte man zur kalten Jahreszeit konsequent auf Winterreifen umrüsten. Damit das nicht jedes Mal mit einem aufwändigen Umbereifen der Felgen verbunden ist, empfiehlt es sich, für Sommerreifen und Winterreifen je einen eigenen Felgensatz zu benutzen. Das mag zwar im ersten Augenblick in der Anschaffung etwas teurer sein, macht sich aber schnell bezahlt, weil zum jeweiligen Saisonwechsel keine Kosten fürs Ummontieren mehr anfallen und außerdem auch keine Gefahr besteht, dass die Reifen beim Ummontieren beschädigt werden können.

Für viele Autofahrer wird es allerdings zum Problem, die gerade nicht benötigten Reifen bis zur nächsten Saison einzulagern, da sie weder eine Garage noch ausreichend Lagerplatz haben. Sie sollten sich bei ihrem Reifenhändler erkundigen, ob er das gegen eine angemessene Gebühr, die auch die Reinigung und Kontrolle der Reifen einschließt, für sie übernehmen kann. Außerdem gibt es immer mehr Spezialbetriebe, die das Einlagern von nicht benötigten Reifen als Dienstleistung anbieten.

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