Zeitung Heute : Besuch bei sächsischen Schönheiten

Rund um Dresden blühen wieder die historischen Kamelien. Ab Ende Februar können sie besichtigt werden

Frau Minna Seidel ist in Sachsen ein kleiner Star: Jedes Jahr lockt die Zierpflanze mit ihren rosa Blüten etliche Besucher zu den Kamelienschauen nach Pirna-Zuschendorf bei Dresden. Sie ist aber nur eine von vielen Sorten in der berühmten Kameliensammlung, die Jakob Friedrich Seidel dort Mitte des 19. Jahrhunderts zusammentrug. Wer einige besonders schöne Exemplare dieser Pflanzenart besichtigen möchte: Ab Ende Februar ist wieder Gelegenheit dazu.

Im 19. Jahrhundert besaß die Gärtnerei Seidel 1100 Sorten und verschickte 200 000 Exemplare pro Jahr europaweit. Dann schrumpfte die Seidelsche Sammlung. Nur die 100 wichtigsten Sorten überlebten eingewurzelt in einem alten Erdhaus. 1986 wurde beschlossen, das Haus abzureißen und die unnützen Pflanzen auf den Kompost zu werfen.

Matthias Riedel, damals junger Gartenbauingenieur in der VEG Saatzucht Dresden und heute Leiter der Sammlung Zuschendorf, war fassungslos. Eigenhändig grub er die uralten Pflanzen aus, schnitt sie zurück, setzte sie in Töpfe und sicherte so ihr Überleben.

Nach der Wende hing ihr Schicksal wieder am seidenen Faden: Als die Treuhand die Grundstücke verkaufen wollte, mussten sie Hals über Kopf geräumt werden. Das halb verfallene Schlösschen Zuschendorf wurde zum Asyl für die Pflanzen. Landeskonservator Prof. Gerhard Glaser würdigte das später so: „Die Sammlungen sind sowohl historisch betrachtet als auch in ihrer gegenwärtigen Wirkung prägend für die Kulturlandschaft Dresden.“ Seither stehen die Kamelien unter Denkmalschutz.

Wer sich in diesem Frühjahr nach Zuschendorf begibt, kann aber nicht nur die historischen Sorten in den Gewächshäusern des Parks bewundern. Im anmutigen Landschlösschen findet zeitgleich die sechste bundesweite Kamelienblütenschau statt, die gemeinsam mit der Mitteldeutschen Kameliengesellschaft organisiert wird. Rund 1000 der porzellanzarten Blüten aus ganz Deutschland sind angekündigt.

Außerdem darf ein Blick auf die andere Elbseite nicht fehlen. Denn dort blüht zur gleichen Zeit die Pillnitzer Kamelie. Sie ist die älteste Kamelie nördlich der Alpen und mit neun Metern Höhe und 11,5 Metern Breite von beeindruckenden Ausmaßen. 1779 kam sie nach Europa. 1801 holte sie ein mutiger Gärtner aus ihrem Kübel und pflanzte sie in den Pillnitzer Park. Besuchern bietet sich dort ein Blick auf 35 000 rote Blüten.

Westlich von Dresden gibt es noch eine Veteranin: die schneeweiße Roßweiner Kamelie in Wolfstal. Seit 200 Jahren blüht sie dort und stammt vermutlich vom Hof König August III. Mit einem Besuch in Königsbrück ist das Besichtigungsprogramm komplett. dpa/Tsp

Weiteres im Internet:

www.kamelienschloss.de

www.pillnitz.com/kamelie.html

www.heimatverein-rosswein.de

www.koenigsbrueck.de

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