Zeitung Heute : Bethlehem 2000: Leere Hotels

Bethlehem hatte sich herausgeputzt. Weihnachtsbeleuchtung erstrahlte schon im Frühling, die Zahl der Hotelbetten wuchs aufs Doppelte. Das "Heilige Jahr 2000" sollte ein touristisches Rekordjahr werden. Doch das Weihnachtsgeschäft fällt aus. Die Kämpfe zwischen Israelis und Palästinensern haben den Tourismus in der Weihnachtsstadt Bethlehem lahm gelegt.

"Die Mehrheit der Hotels war ausgebucht, jetzt steht alles leer", klagt die 31-jährige Viola Raheb, die in der lutherischen Kirchengemeinde Bethlehems palästinensische Reiseführer ausbildet. Vielen sei der Arbeitsplatz verloren gegangen, nicht nur den Reiseleitern, die sonst die Pilger durch die Geburtskirche schleusen. Hier, in einer von unzähligen Öllampen aufgeheizten Grotte, markiert ein Silberstern im Marmorboden, wo Jesus Christus geboren sein soll.

"Seit Beginn der Al-Aksa-Intifada im September machen die vielen Menschen in Bethlehem, die vom Tourismus leben, eine lange Durststrecke mit", berichtet auch der Palästina-Berater der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit, Axel Burmeister. Sogar den Kunsthandwerkern,die aus Olivenholz die berühmten Krippenfiguren schnitzen, bleibe mittlerweile "zu wenig zum Leben und zu viel zum Sterben".

Die Israelis haben die Stadt, die nur ein paar Kilometer von Jerusalem entfernt liegt und zum palästinensischen Autonomiegebiet gehört, abgesperrt. Ein- und Ausreise ist nur eingeschränkt möglich. Für Pilger sind jedoch Bethlehem und andere biblische Stätten in der Westbank und Ostjerusalem Pflichtprogramm. Das Unternehmen Biblische Reisen in Stuttgart zum Beispiel hat daher sein Programm auf 20 Prozent reduziert und 100 Gruppen abgesagt. Das Auswärtige Amt rät derzeit von Reisen in die Gebiete "dringend ab".

Dabei war alles so gut angelaufen. Deutschland hatte das Projekt "Bethlehem 2000" laut Burmeister mit 2,6 Millionen Mark Entwicklungshilfe unterstützt. Ein von der palästinensischen Autonomieverwaltung eingesetztes Ministerium sorgte für Stadtverschönerung und weltweite Werbung.

Happening abgesagt

Doch wenn auch auf dem traditionellen Krippenplatz vor der Geburtskirche noch nicht einmal Weihnachtsbäume stehen - die kirchlichen Feiern finden statt. Der Lateinische Patriarch, Michel Sabbah, wolle wie jedes Jahr von Jerusalem kommend in Bethlehem einziehen und die Mitternachtsmesse halten, hieß es. Das übliche Happening aber mit Kirmes und internationalen Chören ist abgesagt.

Wäre es nach dem Bethlehemer Stadtrat gegangen, fiele auch die rein religiöse Feier aus. Die Welt sollte sehen, dass es in Bethlehem und Palästina nichts zu feiern gibt. Aber die Christen, das sind etwa 20 000 der 45 000 Einwohner, wehrten sich dagegen.

Auch die lutherische Gemeinde der Weihnachtskirche, die am anderen Ende der Innenstadt liegt, will zum Gottesdienst zusammenkommen. Ob die auswärtigen Freunde einreisen können, ist noch nicht sicher. Für Viola Raheb, die in Bethlehem geboren ist und in Deutschland studiert hat, ist die Abriegelung der Stadt das Schlimmste. Sie wünscht sich endlich wieder Bewegungsfreiheit - und natürlich Frieden.

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