Zeitung Heute : Betörender Blütenduft

Schon Homer soll den Duft und die Blütenform der heutigen Dichternarzisse gepriesen haben

Tassilo Wengel

Wer einmal im Frühling über blühende Wiesen mit Dichternarzissen (Narcissus poeticus) gewandert ist, wird sich gern an den intensiven Duft dieser Blumen erinnern. Bereits die altgriechischen Dichter Homer und Anakreon sollen den köstlichen Duft gepriesen haben, aber auch die ausgewogene Blütenform der Blume. Grund genug für den schwedischen Botaniker Linné, diese Zwiebelpflanzen 1753 mit dem botanischen Namen Narcissus poeticus zu belegen. Die Verbreitung der Art reicht von den Pyrenäen über Südfrankreich bis zu den Alpen und zieht sich durch die Steiermark und Niederösterreich entlang der Adriaküste bis nach Griechenland. Außerdem gibt es in den rumänischen Karpaten eine große Enklave mit Dichternarzissen. Auf Grund dieser weiten Verbreitung ist die Art sehr variabel. Allen Varietäten gemeinsam sind die hellen, etwa vier Zentimeter breiten, länglichen Zwiebeln. Aus ihnen entspringen zwei bis vier, etwa 40 Zentimeter lange blau- oder graugrüne Blätter, zwischen denen sich April/Mai auf zusammengedrückten Stängeln die Blüten entfalten. Sie erreichen einen Durchmesser von vier bis sieben Zentimetern und bestehen aus einer ansehnlichen ausgebreiteten Hauptkrone mit weißen, getrennt stehenden oder überlappenden länglich-ovalen bis breit eiförmigen Segmenten (Perigonblätter). Die stark reduzierte Nebenkrone in der Mitte bildet einen flachen gelbgrünen Napf, der einen roten Saum aufweist.

Im Garten wird weniger die Art gepflanzt, sondern Auslesen und Züchtungen. Sie werden als Poeticus-Hybriden bezeichnet und waren um 1900 bereits sehr in Mode. Schon damals wurde die Sorte ,Actaea‘ eingeführt, die sich durch relativ große Blüten auszeichnet. Sie hat große Ähnlichkeit mit der Wildform und gilt als eine besonders schöne und großblütige Auslese. Die Nebenkrone weist die typisch gelb-rote Färbung mit dem grünen Schlund auf. Sie ist auch heute noch überall erhältlich und gilt als sehr unproblematisch in der Kultur, ist blühwillig und auch zum Verwildern geeignet. Aus dem umfangreichen Sortiment werden weitere Sorten in Gartencentern oder bei Blumenzwiebelhändlern angeboten.

Obwohl sich Dichternarzissen in ihren Ansprüchen nicht wesentlich von den anderen Narzissen unterscheiden, sollte man dennoch auf einige Besonderheiten achten, damit sich die Pflanzen jedes Jahr zu ihrer vollen Schönheit entwickeln. Während die meisten anderen Narzissen etwa acht Jahre am gleichen Standort reichlich blühen, lässt man Dichternarzissen nicht länger als vier oder fünf Jahre am gleichen Platz stehen. Dann empfiehlt sich das Verpflanzen an einen anderen Ort. Empfehlenswert ist es, mit dem Herausnehmen nur so lange zu warten, bis das Laub zwar vergilbt, aber noch nicht vollkommen abgestorben ist. Da sich die Blütezeit der Pflanzen bis in den Mai hinzieht, kommt man meist erst im Juli zum Ausgraben. Die Zwiebeln haben nur eine kurze Ruhezeit und bilden bereits zwei Wochen nach dem Absterben der alten Wurzeln Ende Juli neue. Deshalb sollte man mit dem Neupflanzen nicht bis zum Herbst warten, sondern die Zwiebeln bereits Ende August wieder in den Boden bringen.

Als Empfehlung gilt, die Zwiebeln drei Mal so tief zu pflanzen, wie sie hoch sind. Nach dem Legen überzieht man die Fläche mit einer Schicht gut verrottetem Kompost. Hornspäne oder Knochenmehl als Vorratsdünger kann man schon beim Pflanzen der Zwiebeln einarbeiten. Am besten kultiviert man Dichternarzissen auf einem durchlässigen Boden, um Zwiebelfäule zu vermeiden. Sandiger Lehm oder lehmiger Sand sind vorzüglich geeignet. Ist der Boden sehr lehmhaltig, bereitet man ihn mit Sand auf, damit die Zwiebeln nicht unter Staunässe leiden. Gelegentliche Gaben von Volldünger im ausgewogenen Verhältnis von Stickstoff, Phosphor und Kali fördern die Entwicklung der Zwiebeln und sorgen für reichhaltigen Flor. Obwohl Stickstoff hilft, kräftiges Laub aufzubauen, führt ein zu hoher Anteil zu krankheitsanfälligen Zwiebeln. Phosphor ist für reiche Blüte und kräftiges Wurzelwachstum förderlich und Kalium wirkt sich kräftigend auf die gesamte Pflanze aus. Volldünger kann man im Frühjahr auf den schmelzenden Schnee streuen oder später mit dem Erscheinen der Blätter als Volldüngerlösung gießen. Da es wichtig ist, dass von den Blättern Nährstoffe in die Zwiebel zurückgelangen, muss das Laub bis zum völligen Vergilben erhalten bleiben. Auch beim Schneiden der Blumen entfernt man so wenige Blätter wie möglich.

Dichternarzissen kann man gut mit Taglilien, Frauenmantel, Purpurglöckchen, niedrigen Funkien oder anderen Stauden mit schmückenden Blättern kombinieren, auch Frühlingsblüher können interessante Begleiter sein. Für den gepflegten Rasen sind Dichternarzissen weniger geeignet, da das Laub recht spät vergilbt. Dagegen lassen sie sich in naturnahe Wiesen, die nur ein bis zwei Mal im Jahr gemäht werden, gut pflanzen.

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