Zeitung Heute : Betrüger im Sozialamt hatten leichtes Spiel

Der Tagesspiegel

In einem waren sich Staatsanwalt und Verteidiger einig: Das Zahlungssystem der Berliner Sozialämter hat es den Angeklagten leicht gemacht. Seit gestern müssen sich die 46-jährige Susanne K. und der 42 Jahre alte Mathias I. vor einer Moabiter Strafkammer wegen Untreue und Betrug verantworten. Den geständigen Angeklagten wird zur Last gelegt, die Spandauer Sozialbehörde mit fingierten Überweisungen um 228 000 Euro betrogen zu haben.

Seit 1981 war Susanne K. im öffentlichen Dienst zuständig für die Betreuung von Behinderten. Monatlich wies bis zu 1,5 Millionen Mark für Leistungsträger wie Heime und Werkstätten an. Nach der Trennung von ihrem Partner begann die Spandauerin zu trinken, bald häuften sich Miet- und Kreditschulden. Da wurde das neue Computersystem eingeführt, über dessen Lücken und Missbrauchsmöglichkeiten in den Behörden offen diskutiert wurde.

„Aus der Not heraus habe ich gedacht, ich probiere es einfach - in der Hoffnung, es geht gut, und es ging gut.“ Ab Juni 1997 überwies Susanne K. unter den Aktenzeichen verstorbener oder verzogener Klienten zunächst kleinere Beträge auf das eigene Konto. Dazu musste sie nur auf den wöchentlichen Zahlungslisten fälschlich bestätigen, dass sie die Zweitunterschrift eines Kollegen eingeholt hatte. Eine Kontrolle fand nicht statt.

Um nicht aufzufallen, benutzte sie als Empfängerbezeichnung nur ihre Initialen. Erst im März 1999 ging deshalb eine Überweisung an das Amt zurück, doch die Sachbearbeiterin hatte Glück. Der Vorgang landete wieder auf ihrem Schreibtisch und sie konnte die Panne kaschieren. Vorsichtig geworden, weihte sie ihren Bekannten Matthias I. ein. Künftig überwies Susanne K. regelmäßig größere Beträge auf dessen Konto. Die Beute wurde geteilt.

Bei dem Langzeit-Arbeitslosen weckte der Geldsegen die Leidenschaft für Poker-Automaten. Er verzockte seinen Anteil in der Spielbank. Auch Susanne K. hat sich kaum etwas gegönnt: „So schnell wie das Geld auf dem Konto war, war es wieder weg“, sagte sie vor Gericht. Nur durch eine Kontrolle in anderer Sache flog das Duo am 1. März auf. Weil in diesem Monat eine neue Software eingeführt wird, habe sie ihre Betrügereien abbrechen wollen, sagte die Spandauerin. Doch auch das geänderte System bietet keine größere Sicherheit, bestätigte der als Zeuge geladene Revisor des Sozialamtes. Am Freitag werden die Urteile erwartet. du

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