Zeitung Heute : Bett mit Aussicht zwischen Himmel und Erde. Nicht nur Abenteurer lockt es ins Leuchtturm-Quartier

Romantik, Abenteuerlust, Neugier? Von jedem etwas treibt Zeitgenossen vermutlich in die entlegensten Winkel der Erde. Mit ihrer Entdeckerfreude spüren sie immer wieder ungewöhnliche Urlaubsrefugien auf. Zu den sogenannten Geheimtipps gehört das Bett im Leuchtturm.

Mehr als 50 Quartiere zwischen Himmel und Erde hat der Globetrotter Klaus Kern aus Rüsselsheim zusammengetragen. Die Offerten, die von Australien über Schottland und Norwegen bis in die USA reichen, locken längst nicht mehr nur Abenteurer an. Ist doch auch bei den Leuchttürmen die komplette Breite touristischer Kategorien zu finden: Neben dem äußerst spartanisch eingerichteten Schlafplatz über Apartments bis zur Nobelherberge. Das Quartier aufschlagen kann der Gast allerdings nur selten im Turm. In der Regel wird er in den früheren Leuchtturmwärter-Häuschen untergebracht. Die meisten Leuchtfeuer sind inzwischen stillgelegt, nur einige senden noch ihre Signale übers Meer.

Geschichte atmet der Turm auf der britischen Felseninsel Lundy, dessen Feuer erstmals 1820 gezündet wurde. Er ist durch einen Gang mit den weitgehend originalgetreu erhaltenen Wärterunterkünften verbunden, die heute als Ferienwohnungen genutzt werden. Zwischen Mitternacht und 7 Uhr gibt es auf der Insel keinen Strom. Fernseher, Mikrowelle oder ähnliche Annehmlichkeiten sucht der Gast vergeblich. Das einzige Telefon befindet sich an der Fährstelle.

Dagegen lockt im äußersten Süden Schottlands der 1815 erbaute Leuchtturm Corsewall, dessen Feuer noch in Betrieb ist. Die Anlage wird heute als kleines Luxushotel genutzt. Zu haben sind sechs stilvoll eingerichtete Doppelzimmer.

Eine einzigartige Aussicht verspricht Kvanhovden Fyr auf einer Meeresklippe an der norwegischen Westküste. Das Ziel ist in etwa 30 Minuten mit dem Boot erreichbar. Zehn Betten stehen zur Auswahl, wobei der Tourist weniger anspruchsvoll und nicht ganz so zart besaitet sein sollte. Schließlich sind die tosenden Stürme hautnah zu erleben. Aus diesem Grund wird der Turm als "Unwetter-Tourismus" vermarktet. Wer damit liebäugelt, sollte zuvor vielleicht in der Anlage "Krakenes Fyr" auf einer der westlichsten Klippen Norwegens einen einwöchigen Lehrgang gegen Seekrankheit besuchen.

Rose Island Lighthouse auf einer Insel an der amerikanischen Ostküste bietet Gelegenheit, selbst für eine Woche in die Rolle des Leuchtturmwärters zu schlüpfen. Nur, wer täglich eine Stunde für Wetternotizen, Reinigungs- oder Wartungsarbeiten erübrigt, kann die Wohnung mieten. Dafür gibt es Aktivurlaub in einem lebendigen Museum: Wasser aus Kanistern oder der Zisterne, Kerzen statt Lampen, Kaffeeautomat und Toaster, sofern ausreichend Wind den Generator auf Touren bringt.

Klaus Kern ist Leuchtturm-Fan, aber kein Reisevermittler. Die Mietobjekte, darunter Adressen und Telefonnummern, hat er in zwei Heften aufgelistet, die zum Preis von insgesamt 30 Mark inklusive Portokosten (Verrechnungsscheck) erhältlich sind. Wünsche sind zu richten an: Klaus Kern, Pestalozzistraße 28, 65428 Rüsselsheim; Telefonnummer: 061 42 / 816 07.

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