Zeitung Heute : „Beurteilungen müssen in der Akte stehen“ Rechtsanwalt Ladeburg über Personaldaten

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Herr Ladeburg, doppelte Buchführung ist bei der Verwaltung von Personaldaten verboten. Warum eigentlich?

Das gilt nur für den Fall, dass die Unterlagen nicht identisch sind. Es muss sicher gestellt sein, dass die dem Arbeitnehmer zur Einsicht vorgelegten Unterlagen vollständig sind. Sie müssen alle im Laufe der Zeit zusammengestellten Daten und Beurteilungen enthalten. Der Arbeitnehmer hat das Recht, jederzeit Einsicht in seine vollständige Personalakte zu nehmen. In diesem Punkt kommt es immer wieder mal zu Streitigkeiten zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Welcher Art?

Zum Beispiel, wenn sich eine Führungskraft beim Mitarbeitergespräch verplappert und sich bei der Kritik auf eine negative schriftliche Beurteilung bezieht, die sich dann bei Einsichtnahme aber nicht in der dem Arbeitnehmer vorgelegten Personalakte befindet. Hier hat der Arbeitnehmer einen Anspruch auf Vorlage der vollständigen Personalakte inklusive der negativen Beurteilung und kann eine Gegendarstellung abgeben, die vom Arbeitgeber ebenfalls mit zur Personalakte genommen werden muss.

Hat der Arbeitnehmer tatsächlich eine Chance, sich zu wehren?

Der Arbeitnehmer kann die Entfernung unrichtiger, ihn zu unrecht belastender oder unzulässig aufgenommener Unterlagen aus der Personalakte verlangen. Viel wichtiger im Zusammenhang mit der gesetzlich geforderten Vollständigkeit der Personalakte ist für den Arbeitnehmer der Aspekt, jederzeit ein qualifiziertes Zeugnis anfordern zu können.

Auch darauf besteht doch ein Anspruch.

Das ist richtig. In untadelig geführten Unternehmen ist das auch kein Problem. Da bekommen Mitarbeiter beim Wechsel in eine andere Abteilung oder auch beim Wechsel des Vorgesetzten automatisch ein Zwischenzeugnis. Das ist aber keinesfalls Alltagspraxis. Und wenn dann auch noch die Personalakte nicht alle Informationen enthält, die für eine qualitative Beurteilung wichtig sind, hat der Arbeitnehmer ein Problem.

Was kann er tun?

Ich kann nur jedem Arbeitnehmer empfehlen, sich selbst auf dem laufenden zu halten, also vom Recht der Einsicht in die Personalakte Gebrauch zu machen und immer um ein Zwischenzeugnis zu bitten, sobald sich die Umstände am Arbeitsplatz verändern – personell oder und auch inhaltlich.

Die Fragen stellte Christine Schreiber

STEFAN LADEBURG

(34), Rechtsanwalt und Geschäftsführer beim Führungskräfteverband Chemie

in Berlin

(www.vaa.de)

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