Zeitung Heute : Bewegung im Kopf … Vergütungsexperte Gunter Becker über Eigenverantwortung

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Die Zeiten sind schlecht. Wer dieser Tage bei seinem Chef wegen einer Gehaltserhöhung vorsprechen möchte, sollte schon Vorstandsmitglied einer Daxgelisteten Aktiengesellschaft sein. Der durchschnittliche Mitarbeiter hat wenig Chancen auf Erfolg. Gleichwohl ist ein gut geschnürtes Argumentationspaket für den nächsten Termin beim Vorgesetzten nicht überflüssig geworden. Der Berliner Vergütungsexperte Gunter Becker von Kienbaum Management Consultants beobachtet einen Siegeszug von innovativen Entgeltsystemen, mit denen „nicht nur auf den Konten, sondern auch in den Köpfen etwas in Bewegung kommt“. Becker: „Eigenverantwortung ist nicht mehr allein auf die oberen Führungsebenen beschränkt, immer mehr Unternehmen installieren Entgeltsysteme, die der individuellen Leistung des Einzelnen Rechnung tragen, auch auf Mitarbeiterebene. Öffnungsklauseln in Tarifverträgen haben dafür erste Akzente gesetzt.“ Für den Vergütungsexperten wird damit das Bild vom Mitarbeiter als Mitunternehmer „endlich auch finanziell zur Realität“. Nach Beckers Überzeugung haben die Unternehmen im Grunde keine andere Wahl: Nach teilweise radikalem Personalabbau seien die Betriebe auf die Loyalität der verbliebenen Mitarbeiter dringend angewiesen – und gut beraten, den Wertewandel zu berücksichtigen. Immerhin antworteten in einer Befragung von www.jobscout24.de knapp 25 Prozent der User ganz selbstbewusst: „Wir arbeiten erfolgsorientiert – variable Vergütungssysteme gehören einfach dazu!“

Dass die Arbeitgeber bei ihrem neuen Entgeltsystem auch ihrer „ethischen Verantwortung“ gerecht werden müssen, hält Gunter Becker für unverzichtbar. Zum Verhältnis von fixem und variablen Gehalt sagt er: „Wer viel verdient, sollte auch einen entsprechend hohen variablen Anteil haben." Variable Anteile von 50 Prozent bei einem niedrigen Fixgehalt seien aber „auf keinen Fall akzeptabel". rch

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