Bewusst leben : Es muss nicht immer Frottee sein

Ein wohnliches Bad ist auch ohne Stemmarbeiten möglich. Schon mit einfachen Mitteln wird die "Nasszelle" zur Oase.

Rita Nikolow
Badezimmer
Nah am Wasser gepflanzt. -Foto: ddp

Das Badezimmer ist längst nicht mehr nur zum Waschen da – sondern zum Entspannen. 54 Prozent der Deutschen legen dort laut einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GFK) auch Wert auf Fitness- und Wellnessmöglichkeiten. Und zwar auch in kleinen Bädern: Denn ein Drittel aller deutschen Badezimmer ist kleiner als sechs Quadratmeter. Sich im Badezimmer zu entspannen, kann sich lohnen: Denn schließlich investieren die Deutschen im Durchschnitt 36 Minuten am Tag in Körperpflege und Reinigung. Und der deutsche Mann verbringt im Vergleich mit seinen europäischen Geschlechtsgenossen am meisten Zeit im Badezimmer: 24 Minuten täglich. Der männliche Durchschnittseuropäer hingegen nur 16 Minuten.

Zu einer entspannenden Atmosphäre trägt nach Ansicht der Berliner Innenarchitektin Irene Kosok vor allem die Beleuchtung bei: „Wenn möglich, sollte bei der Badgestaltung mit indirektem und dezentralem Licht gearbeitet werden.“

Ganz schnell anbringen und auch wieder abnehmen lassen sich kleine, batteriebetriebene Badewannenlichter, die mit einem Saugnapf auf die Wanne, die Fliesen oder den Spiegel geklebt werden.

Entspannend kann es nach Ansicht von Irene Kosok auch wirken, wenn das Badezimmer nicht mehr von oben bis unten gefliest sei – sondern nur in den Nassbereichen und am Boden.

Bei den Fliesen gebe es einen Trend zur Mosaikoptik – und zu großen Fliesen, die eine Fläche von bis zu 60 mal 120 cm hätten. Diese Riesenfliesen hätten eine entspannende Wirkung auf das Auge. Außerdem könne man im Badezimmer auch mit Holz arbeiten – das müsse allerdings vom Profi gemacht werden. „Holz kann man auf dem Boden auslegen“, sagt Irene Kosok, und in den trockenen Zonen des Badezimmers. Eine Aufteilung in einen Nass- und einen Trockenbereich ist bei größeren Badezimmern ohnehin sinnvoll: Dort, wo weder geduscht noch gebadet wird, kann dann zum Beispiel eine Ruhebank aufgestellt werden, auf der nach der Reinigung noch ein wenig ausgeruht werden kann.

Eine beruhigende Atmosphäre können dem Badezimmer auch Pflanzen verleihen. Allerdings überleben diese den Aufenthalt in der „Nasszelle“ nur, wenn ihr Besitzer ein paar wichtige Regeln beachtet: Nicht jede Pflanze ist für den Standort Badezimmer geeignet. Mit relativ wenig Licht kommen zum Beispiel die Schusterpalme, der Zimmerhafer, der Gummibaum, der Schwertfarn und der Zimmerefeu aus. Gut mit hoher Luftfeuchtigkeit zurecht kommt auch die Orchidee. Aber vor allem in dunklen Ecken ist es sinnvoll, für die Pflanzen im Badezimmer eine Zusatzbeleuchtung anzubringen, zum Beispiel einen einfachen, reflektierenden Lampenschirm mit einer Energiesparlampe von 23 Watt.

Der richtige Spiegelschrank lässt kleine Badezimmer zumindest größer wirken – ebenso wie eine gläserne Abtrennung für die Dusche, die den Raum außerdem heller macht. Glastüren lassen auch den häufig unvermeidlichen Unterbauschrank deutlich filigraner wirken. Entspannung bringen natürlich auch das Baden und Duschen: Mittlerweile gibt es in jedem Baumarkt Wannen mit einem integrierten Whirlpool – und Duschkabinen mit Massagefunktion.

Badezusätze, mit denen man sich nach einem anstrengenden Tag eine kleine Auszeit gönnt, lassen sich im Übrigen auch gut selber herstellen. Die meisten Zutaten sind ohnehin im Haushalt vorhanden. Für ein Entspannungsbad kann man zum Beispiel 2 Esslöffel Mandelöl mit fünf Tropfen Lavendel- und fünf Tropfen Melissenöl vermischen.

Warme Bäder über 37 Grad helfen beim Abschalten und machen schön müde. Länger als fünfzehn Minuten sollte man aber auf keinen Fall in der Badewanne liegen bleiben. Weiter entspannen kann man dann ja auf dem Sofa oder im Bett.

Duften muss in der „Nasszelle“ aber nicht nur der Badezusatz: In einer Duftlampe oder -schale kann man den eigenen Lieblingsduft verdunsten lassen: Besonders beruhigend wirkt zum Beispiel Lavendel. Und auch ruhige Entspannungsmusik, die auf der kleinen Badezimmeranlage oder dem Duschradio abgespielt wird, helfen dem Badbesucher dabei, sich schnell wohlzufühlen.

Zum Ausruhen, Abschalten und Entspannen lädt das Badezimmer aber auch dann ein, wenn man eine ganz einfache Grundregel beachtet: Die Ablagen sollten nicht überladen sein mit leeren Zahnpastatuben, alten Zeitschriften und aufgebrauchten Duschgels. Stattdessen sollte in den Regalen und auf den Ablageflächen nur das herumstehen und -liegen, was man wirklich benötigt. Dann kann die Entspannung sofort beginnen – egal, ob man nur 30 oder 60 Minuten am Tag im Badezimmer verbringt.

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