Zeitung Heute : Bezirk Tempelhof gegen intensive Sexwerbung

Der Tagesspiegel

Tempelhof. Die Fassade eines Erotikshops am Tempelhofer Damm versetzt die Anwohner seit Jahren in Aufregung. Besonders Familien mit Kindern fühlen sich durch die aufreizende Werbung, die sich über eine ganze Straßenecke erstreckt, gestört. Zu sehen sind überlebensgroße Frauen, knapp bekleidet, in eindeutigen Posen. Nach Angaben von Anwohnern unterscheidet sich der Laden in seiner Aufmachung stark von Geschäften mit ähnlichem Warensortiment.

Dafür hat Roger Walter, Stellvertretender Geschäftsführer der Vitze GmbH eine einfache Erklärung: „Wir wollen den Laden nach Außen hin ästhetischer machen.“ Für die Betreiber der Ladenkette Sarah Young, die in Berlin acht Filialen unterhält und bundesweit 14 Shops betreibt ist diese Form der Werbung eine Möglichkeit von dem üblichen Schmuddelimage weg zu kommen. Hinter dem Werbekonzept steht die Idee, sich von den kleinen Sexhöhlen abzuheben, die meist im Verborgenen agieren und bei den Bürgern aus diesem Grund Vorurteile auslösen. Den Betreibern der Ladenkette ist es wichtig, das Geschäft mit der Erotik öffentlich zu machen. „Die Leute bringen Erotikläden immer noch mit Prostitution und Drogen in Verbindung.“ Die Sarah -Young-Betreiber wollen mit Hilfe ihrer offensiven Werbung zeigen, dass sie nichts zu verbergen haben, und dass das Erotikgeschäft ein großer Wirtschaftsfaktor ist. „Deutschland macht nach den Vereinigten Staaten weltweit den größten Umsatz.“ Walter äußerte gegenüber dem Tagesspiegel, dass viele Arbeitsplätze in diesem Gewerbe geschaffen werden, und dass die Vitze GmbH allein 50 Leute beschäftige.

Das Bezirksamt Schöneberg/Tempelhof hat für die Zukunft dennoch Maßnahmen getroffen, die Erotikwerbung in dieser Intensität nicht mehr zu erlauben. Nach Aussagen von Gerhard Lawrenz, Leiter der Abteilung Bauwesen, gibt es mittlerweile Verordnungen in den Textbebauungsplänen, die solche Werbung nicht mehr zulässt. Dem Bezirksamt geht es da nicht nur um Erotikwerbung, sondern um alles, was die gewerbliche Subkultur einer Straße eintönig erscheinen lässt. „Wenn wir das Gefühl haben, dass das Straßenbild nur noch von Banken und Versicherungen dominiert wird, gehen wir auch dagegen vor“, so Lawrentz. Johanna Hiller

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