Zeitung Heute : Bibliothek im Baudenkmal

Das Schoeler-Schlösschen wird restauriert – für die Bücher von Johannes Rau

Helmut Caspar

Das seit 2003 leer stehende Schoeler-Schlösschen an der Wilhelmsaue wird in den kommenden Jahren saniert. Es soll die Bibliothek des verstorbenen Altbundespräsidenten Johannes Rau aufnehmen – und so erhalten in dem Barockbau aus dem 18. Jahrhundert auch Kunst- und Bücherfreunde ein Refugium, das es kein zweites Mal in Berlin gibt.

„Wir denken an Ausstellungen von Gemälden und Grafiken, ergänzt durch kostbare Bücher und Schriften, die Mitglieder von Bibliophilen-Vereinen zeigen wollen“, sagt Birgit Jochens, die Leiterin des Heimatmuseums Charlottenburg-Wilmersdorf. Geplant seien auch Vorträge und Workshops über Kunst und alte Bücher. Birgit Jochens ist auch Sprecherin eines Freundeskreises, der sich um das denkmalgeschützte Herrenhaus kümmert.

Die Einrichtung von Wechselausstellungen verläuft parallel zu Bauforschungen, mit denen Restauratoren nun beginnen wollen. Das 1752 errichtete Landhaus ist das älteste Gebäude in Wilmersdorf und nach dem Geheimen Medizinalrat Heinrich Schoeler (1844 bis 1918) benannt. Er bewohnte es von 1893 bis zu seinem Tod.

Wann die eigentliche Sanierung beginnt und was sie kostet, weiß Helmut Engel, Geschäftsführer der Stiftung Denkmalschutz Berlin, noch nicht: „Bei einem solch alten Haus können wir uns auf manche Überraschung gefasst machen“, sagt er.

Das Landesdenkmalamt musste abwägen, ob das obere Stockwerk erhalten oder abgerissen werden soll. Für Engel ist die vom Landesdenkmalamt nach vielen Diskussionen getroffene Entscheidung wichtig, dass die dem Schoeler-Schlösschen in der Nazizeit aufgesetzte obere Etage wieder entfernt wird. „Die Restaurierung konzentriert sich auf das 18. und 19. Jahrhundert“, kündigt er an. „Die mit seiner Verwandlung in ein Heim der Hitler-Jugend verbundene Aufstockung war ein zerstörerischer Eingriff, den wir korrigieren wollen“. Der frühere Berliner Landeskonservator lässt sich davon auch nicht durch den Einwand abbringen, durch den Abriss der oberen Etage werde ein Stück Baugeschichte des 20. Jahrhunderts vernichtet.

Die Behörde entschied sich für das Stiftungskonzept, um nicht noch weiteren Verzug zu riskieren. Die Grünen-Fraktion in der BVV kritisiert den Beschluss allerdings als „geschichtsverleugnend“ und als Verstoß gegen die internationale Denkmalschutz-Charta, die ein Denkmal „immer als Ergebnis der verschiedenen historischen Schichten“ ansehe.

Birgit Jochens und der Freundeskreis, der die Regie über das Kulturzentrum übernimmt, freuen sich, dass die lange Zeit des Wartens nun ein Ende hat. Mit der Restaurierung gewinne Wilmersdorf ein Stück bürgerliche Wohnkultur zurück.

Für Christina Rau, die Witwe des Altbundespräsidenten, ist das Haus ein guter Ort für Bücher. Diesen hätte sich auch ihr Mann gewünscht, sagt sie. Als ehemaliger Buchhändler und Verleger hatte Rau ein inniges Verhältnis zu Büchern.

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