Zeitung Heute : "Big Brother": AOL erhält Zuschlag für die Internet-Übertragung der Fernsehshow in den USA

Die Rechte für die Internet-Übertragung der Fernsehshow "Big Brother" in den USA hat die niederländische Produktionsfirma Endemol an America Online verkauft. Endemol teilte am Dienstag in Hilversum mit, die Rechte seien an AOL gegangen, machte aber keinerlei Angaben zu finanziellen Details des Geschäfts. Ab 6. Juli soll die amerikanische Adaption der Show von CBS ausgestrahlt werden. In Deutschland läuft sie noch bis zum Freitag bei RTL2. Dort liegen die Internet-Rechte mit vier eigenen Kameras bei World Online International ( www.worldonline.de ).

Die spanische Telekommunikationsgesellschaft Telefonica hatte nach dem Erfolg von "Big Brother" in den Niederlanden, Deutschland und anderen Ländern ein Kaufangebot von 5,5 Milliarden Euro (rund elf Milliarden Mark) für Endemol vorgelegt. Endemol-Chef John de Mol zeigte sich jüngst zuversichtlich, dass es zu dem Geschäft kommt. Bei "Big Brother" leben Freiwillige 100 Tage unter Dauerbeobachtung zusammen, ohne ihr Haus verlassen zu dürfen. Gestartet wird mit zehn Bewohnern, alle zwei Wochen wird durch Zuschauervotum einer herausgenommen. Wer am Ende übrig bleibt, erhält einen Geldpreis, in Deutschland 250 000 Mark. In der deutschen Adaption entscheiden die Zuschauer am Freitag, welcher der drei letzten Bewohner Jürgen, Andrea und John gewinnt. Eine negative Bilanz von "Big Brother" hat indessen der Berufsverband Deutscher Psychologen (BDP) gezogen. Zwar seien nicht alle Befürchtungen eingetreten; bislang sei keiner der Kandidaten zusammengebrochen, sagte BDP-Präsident Lothar Hellfritsch am Dienstag. Allerdings wisse niemand, wie es den Beteiligten anschließend wirklich gehe, ob sie Betreuung benötigten und auch wirklich, wie vom Sender RTL2 versprochen, erhielten. Der BDP hatte zu Beginn der Sendereihe gewarnt, RTL2 nehme "schwerste psychische Schäden" bei den Kandidaten in Kauf. Die Sendung sei ein "Menschen verachtendes Gruppenexperiment" und zugleich eine ungeahnte Steigerung des exhibitionistischen Fernsehens.

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