Zeitung Heute : Big Brother Schmidt: Der Stoff für die Comedy-Show

Markus Ehrenberg

Wem fällt dazu etwas lustiges ein: Dicke sind glücklicher und sexhungriger, wenn man zwei dünne Leute zusammen sieht, weiß man, das sie Probleme haben. Eine dieser täglichen Meldungen aus dem Vermischten. Stoff für die "Harald-Schmidt-Show" auf Sat 1. Schmidt macht ein, zwei Gags darüber, geschrieben von seinem Autoren-Stamm. Jetzt soll das Witze-Team auf die ganze Nation ausgeweitet werden - jeder kann ein bisschen Schmidt-Show machen. Im Internet, auf der neuen Homepage von Deutschlands bester Comedy-Show.

Das muss nicht automatisch lustig sein. Vor ein paar Monaten saß Schmidt noch unschlüssig vor seinem PC, musste sich erklären lassen, wie man eine Website aufmacht. Dann gab es die Green-Card-Debatte. Und Big Brother im Internet. Schmidt holte sich einen Inder ins Studio, der jeden Abend absurde Adressen aufsagt. Nun der neue Online-Auftritt: www.schmidt.de , interaktiver, aber nicht ganz so unerschrocken wie die TV-Ausgabe. Das Beste: eine ABM-Maßnahme für verhinderte "Titanic"-Schreiber. Schreib für Schmidt. Jeden Tag werden auf der Homepage fünf Themen vorgegeben und StandUp-Witze gesucht. Sollten Satire-Talente spät abends vorm Fernseher schlummern: Harald Schmidt zahlt 175 DM pro präsentiertem Witz.

Daneben stehen die üblichen interaktiven Website-Spielchen: Live-Webcams im ganzen Studio, der unvermeidliche Link auf Vera am Mittag, Gäste-Wunschbox, interaktive Spiele. Im Online-Tagebuch verrät Schmidt, dass sein Friseur aus Ägypten zurück gekehrt ist, welche Zeitungen er morgens liest, dass er eine Hauptrolle in einem großen Spielfilm absagen musste und dass in der Nacht nach dem EM-Finale vor seiner Haustür sein A8 geklaut wurde. Will man das wissen? Soll man das glauben? Genaueres am Abend in der Show. Das wird sie wohl erreichen, die Zielgruppe der "Harald-Schmidt-Show", die 14- bis 49-jährigen. Zur öffentlich-rechtlichen Nachahmung empfohlen. Wer Jürgen von der Lippes "Geld oder Liebe" ansurft, bekommt tanzende Ottern. "Boulevard Bio" bereichert das Internet mit Sende-Fotos. Da lacht Bio neben Talk-Gast Helmut Kohl, damals noch Bundeskanzler.

Dass bei der Verschmelzung von Internet und Fernsehen mehr herauszuholen ist, hat Sat 1 begriffen. Der Kirch-Sender ist Quasi-Produzent von www.schmidt.de . "Dirty Harry wird das Zugpferd für uns sein", sagt Sat 1-Online-Redakteur Jan Neubacher. Zwei Millionen Zugriffe soll schmidt.de bringen - doppelt so viel wie bisher.

Dann muss Schmidt online aber besser werden. Links auf tolle Anwendungen sollten schon funktionieren. Wer Dienstag mittag in Schmidts Büro hineinschauen wollte, sah - nichts. Was ist mit der Webcam? Was macht der Moderator um 14 Uhr alleine in seinem Büro? Computer-Inder, hilf!

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