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Wie Umweltminister Trittin die eigene Partei über Meldungen der Boulevardpresse informierte

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Von Matthias Meisner

Jürgen Trittin entschied sich für die Vorwärtsverteidigung. Noch bevor er es als möglicher Flugmeilen-Sünder auf die Titelseite der gestrigen „Bild“-Zeitung brachte, wandte sich seine Büroleiterin Ingrid Müller per E-Mail an ausgewählte Parteifreunde. Detailliert übermittelte sie, was das Boulevardblatt wissen wollte, und wie der Minister das kommentiere. Die Botschaft war klar: Die „Bild“-Attacke sollte, so sagte es auch Trittin, „ins Leere“ gehen.

Selbst von einem – bisher nicht einmal ausgepackten – Aktenkoffer hatte „Bild“ erfahren, den der Umweltminister gegen Bonusmeilen vom Miles-&-More-Kontos gratis bekommen hat. Trittins Erklärung: „Für die notwendige Anschaffung eines dienstlich zu nutzenden Aktenkoffers im Ministerbüro wurde auf die bei Dienstreisen erworbenen Meilengutschriften zurückgegriffen, anstatt dafür Haushaltsmittel aufzuwenden.“ Bei der Frage nach einem Flug im Sommer 2000 von Berlin nach Pisa und zurück blieb das Ministerbüro erst vage: „Herr Trittin ging und geht davon aus, dass für diese Flüge ausreichend privat erflogene Meilen auf seinem gemischten Bonuskonto verfügbar waren. Er lässt zur Zeit klären, ob diese Annahme zweifelsfrei richtig war.“ Gestern war sich der Minister dann völlig sicher – und verspürt nun auch über die Lufthansa Ärger. Direkt bei Vorstandschef Jürgen Weber fragte Trittin, wie die Daten an die Öffentlichkeit gelangen konnten. Eine Antwort steht noch aus.

Was war privat, was dienstlich? Zumindest über den Daumen meinen Trittins Leute, das richtig erfasst zu haben. Trittin war nicht nur als Abgeordneter, sondern auch als Minister unterwegs, buchte Urlaubsflüge privat und kassierte bis 1998 auch Bonusmeilen, als er noch Grünen-Chef war. Die Partei hat nie geregelt, wie dienstlich erflogene Meilen verwendet werden sollen. Stattdessen hatte ein Parteitag 1996 in Suhl beschlossen, dass innerdeutsche Flugreisen „unangebracht“ seien und „nicht mehr erstattet“ würden. An diesen Beschluss hat sich indes kein grünes Vorstandsmitglied je gehalten.

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