Zeitung Heute : Bilder auf die Schnelle

Der Tagesspiegel

Von Matthias Oloew

Eva und Adele, die beiden Konzeptkünstlerinnen, beweisen einmal mehr Sensibilität für die Situation. Selbstredend kommen sie nicht mit irgendwelchen Fummeln zur Vernissage, sondern in ähnlichen (oder den gleichen?), in denen sie sich mit André Rival haben ablichten lassen–1997, vor der noch intakten Skyline Manhattans. Jetzt stehen die beiden in der Galerie c/o-Berlin und feiern mit André Rival, dem Fotografen, und etwa 400 anderen Gästen die Austellung mit dem schlichten Titel: „André Rival: André Rival“.

Der Name ist Programm. Denn Rival drängelt sich stets mit ins Bild. Hat er einen Auftrag von einem Magazin bekommen, erfüllt er den vertragsgemäß, aber danach, wenn er alles im Kasten hat, steht er selber vor der Kamera. Bei vielen Promis macht er das. Zum Beispiel bei der schweizerisch-texanischen Schauspielerin Shawne Borer-Fielding. Er hat von ihr die Serie geschossen, die in der Eidgenossenschaft Diskussionen auslöste: „Das Cowgirl von der Alm“, mit Colt und Cowboyhut. Die Schweizer (und nicht nur sie) fragten: Darf sie das?

Bloß gut, dass die Bilder, die jetzt in der Austellung hängen, nicht zeitgleich an die Öffentlichkeit kamen. Nicht nur Shawne Borer turnte für die Bilder in der Gesandtschaft herum, sondern auch der Fotograf, mit blonder Walla-Walla-Perücke. „Eine spontane Eingebung“, sagt Rival. Fast alle Bilder, auf denen er selbst abgebildet ist, entstehen so: Irgendein Kleid, ein Accessoire, das für die Fotosession herumliegt, nimmt er, zieht es an, oder setzt es auf, und schiebt sich vor das Objektiv. Viel Zeit hat er für seine Bilder nicht, „manchmal nur zwei Minuten“, und die meiste Zeit geht dafür drauf, den Promis das Schmunzeln abzugewöhnen. „Denn denen geht es ja wie den Betrachtern auch“, sagt Rival, sie müssen über die Situation lachen. Und das dürfen sie für die Aufnahme nicht.

Am Freitagabend hat sich freilich niemand aufgeregt, ganz im Gegenteil, die Bilder erzeugen Schmunzler, Lacher sogar, und sie geben die perfekte Kulisse ab für eine unangestrengte Galerie-Party im nüchtern-schicken Mitte-Ambiente. Hannelore Elsner, die gerade in Berlin dreht, schaut vorbei. Sie hat sich ebenfalls mit Rival fotografieren lassen. Suzanne von Borsody ist auch da, genau so wie Isabella Parkinson.

Sie alle bilden stets den perfekten Kontrapunkt auf Rivals Bildern: er gibt die Karikatur, und sie das Original. Auch bei Helmut Kohl war das so. Der Altkanzler hat sich jedoch an die Rival-Regel nicht gehalten: Auf dem Bild schmunzelt er nicht nur, er lacht. Und zwar herzlich.

Galerie c/o-Berlin, Linienstraße 144, Mite, bis 28. April, jeweils geöffnet mittwochs bis sonntags von 12 bis 20 Uhr. Eintritt: drei, ermäßigt zwei Euro.

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