Zeitung Heute : Bilder aus Birma

Ein Einheimischer hat Fotos im Todesdelta gemacht – obwohl es verboten ist. Er hat die Bilder dem Tagesspiegel übergeben. Wie sieht es im Krisengebiet aus?

Sie warten fast überall entlang der vielen Flüsse in Birmas Irrawaddy-Delta. Sie warten auf Hilfe: Überlebende des Zyklons „Nargis“. Drei Wochen ist es an diesem Wochenende her, dass der Wirbelsturm das Land verwüstete. Bisher durften weiße Ausländer nicht ins Delta. Bilder von dort sind rar. Internationale Beobachter trauten auch der von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon am Freitag übermittelten Zusage des Junta-Chefs Than Shwe nicht so recht, wonach jetzt alle ausländischen Helfer Zugang haben sollen. Sie stehen vor einer schwierigen Aufgabe. Denn bisher konnte nach Angaben der UN gerade einmal ein Viertel der Überlebenden versorgt werden.

Die Menschen im Katastrophengebiet wollen und können nicht länger warten. Viele von ihnen haben sich entlang der Flüsse südlich der größeren Orte Pyapon, Bogale und Labutta zu den Ufern aufgemacht. Sie hoffen, dass sie dort auf Hilfe treffen. Meist kommt die von Einheimischen. Sie fahren fast täglich mit Lastwagen voller Reis, Kartoffeln, Keksen, T-Shirts, Diesel und Wasseraufbereitungsanlagen zu ihren Landsleuten. Doch mittlerweile sind viele Helfer selbst mit ihren Kräften am Ende – und irgendwann werden auch sie ihr tägliches Leben wieder aufnehmen müssen, werden wieder zur Arbeit gehen müssen, um Geld zu verdienen. Sie wissen, dass sie mit ihrer Hilfe nur einen Bruchteil der Bedürftigen erreichen können. Jedes Mal bekommen sie Zettel zugesteckt, wo noch Menschen auf Hilfe warten. Viele wünschen sich, dass die Welt erfährt, was im Todesdelta geschieht – trotz der Zugangssperren, die das Regime bisher wie einen Ring um Rangun gezogen hat. Sie machen Fotos, obwohl die Militärs das nicht wollen. Sie bringen Hilfe in das Katastrophengebiet, obwohl an den Checkpoints in dieser Woche gelbe Zettel verteilt wurden, dass Privatleute keine Hilfsgüter mehr ins Delta bringen sollen. Darum kümmere sich die Regierung.

Während die Welt auf Bilder wartet, kursieren in Rangun jeden Tag mehr CDs und DVDs mit Fotos aus der Region. Darauf sind auch die aufgedunsenen Leichen zu sehen, die das Staatsfernsehen MRTV nicht zeigt.

Ein Einheimischer hat unserem Reporter Richard Licht Fotos übergeben, die er im Irrawaddy-Delta gemacht hat. Nennen wir ihn Akt.

Akt war von Rangun nach Pyapon und Bogale unterwegs, auch auf Flüssen südlich davon. Allein von Bogale bis Set San hat er noch 30 Leichen gezählt. Bogale gilt als die am schwersten zerstörte Stadt. „Schreiben Sie drüber ,From Myanmar with Love‘ “, hat er gesagt. Ein sarkastischer Postkartengruß an die Welt da draußen. Ein Hilferuf. Tsp

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