Zeitung Heute : Bilderjäger

Softwarehersteller will Patentrecht auf das Standard-Fotoformat JPEG

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Der US-amerikanische Software-Entwickler Forgent kündigte an, geldwerte Lizenzansprüche auf ein von ihm in den USA angemeldetes Patent für das digitale Bildformat JPEG geltend zu machen. JPEG ist die Abkürzung für das Millionen PC-Nutzern als Datei-Endung „.jpg“ bekannte Bildformat. Mit den JPEG-Algorithmen lassen sich die hohen Datenmengen digitaler Bilder von mehreren Megabyte auf bis zu ein Zwanzigstel verringern, und das bei relativ geringen Qualitätsverlusten. Seine allgegenwärtige Nutzung verdankt JPEG auch der Tatsache, eine internationale ISO-Norm zu sein – und damit frei von Lizenzansprüchen Dritter. So dachte man jedenfalls.

Wie gut stehen die Chancen, dass das texanische Unternehmen Forgent mit seinen Forderungen nach „alleiniger und exklusiver Lizensierung“ von JPEG-relevanten Technologie-Patenten durchkommt und Hunderte von Geräte- und Software-Herstellern zu Nachzahlungen oder Lizenzverträgen zwingen kann? Dr. Klaus Jung, Vertreter des DIN Normenausschusses NI-29 Leiter der deutschen Delegation in der erwähnten JPEG-Kommission, geht davon aus, dass die Ansprüche abgewiesen werden können. „Forgent hat ein relativ altes Patent ausgegraben, es stammt von 1986.“ Dennoch existierten, so die Expertengruppe, Veröffentlichungen oder gar Patente, die die Forgent-Technologie schon vor der jetzt ins Feld gebrachten Patentanmeldung darlegten. Jung: „Damit wären die Ansprüche von Forgent hinfällig.“

Vor wenigen Jahren forderte das Software-Unternehmen Unisys Lizenzgebühren für das weit verbreitete Format GIF – und erzielte Lizenzvereinbarungen mit Microsoft und AOL. Angesichts der höheren Verbreitung des JPEG-Standards würde es Forgent vermutlich genügen, einen einzigen Lizenzpartner zu finden: Selbst kleinste Margen pro Gerät oder Nutzung würden durch tausendfache Multiplikation erkleckliche Beträge ausmachen. Ganz zufällig scheint der Zeitpunkt nicht gewählt: Seit kurzer Zeit ist das überarbeitete Format JPEG 2000 verfügbar (Datei-Endung: .jp2). Neben funktionalen Verbesserungen, so Jung, sei es den Bildexperten darum gegangen, „die als Basistechnologien verwendeten Patente des neuen Standards frei von Lizenzgebühren zu halten.“ Und je mehr sich JPEG 2000 in den genannten Anwendungsbereichen als Standard etabliert, desto weniger nähme Forgent an Lizenzgebühren ein. Andersherum sei der Forgent-Vorstoß auch eine Chance für den lizenzfreien (ISO-)Standard-JPEG 2000: Mit der Migration zum neuen Format entgingen Hardware- und Software-Hersteller, Nutzer und Endverbraucher den Angriffen dubioser Jäger des verlorenen Patentschatzes. Henry Steinhau

Das Thema im Internet:

www.jpeg.org

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