BILDERZYKLUS„Amor und Psyche“ : Die Eifersucht der Venus

Katja Reimann

Sie reckt die Hand und ihr Gewand rutscht hinab, entblößt eine zarte Schulter. Schön wie die Göttin Venus soll sie der Sage nach gewesen sein, die irdische Königstochter Psyche. Und wie eine antike Nachbildung der Göttin steht das junge Mädchen dort, auf einer Abbildung des Bilderzyklus „Amor und Psyche“. Anhand von zwölf Motiven erzählt der Zyklus die aufregende Liebesgeschichte zwischen der Sterblichen und Amor, dem Sohn der Schönheitsgöttin Venus, die dem Mädchen eifersüchtig Rache schwor.

Erstmals wurden die Motive im Jahr 1815 auf Grisaille-Tapeten gedruckt, ein vollständiger Satz ist zum Beispiel an den Wänden des Ovalen Saales im Großherzoglichen Palais Bad Doberan zu sehen. Die Abguss-Sammlung Antiker Plastik zeigt nun eine Reproduktion des Wandschmucks und stellt ihm Abgüsse antiker Skulpturen gegenüber. Die Ausstellung „Amor und Psyche: Eine Erzählung in zwölf Bildern“ illustriert, wie der antike Mythos bildlich umgesetzt wird und sich, erst einmal visualisiert, verselbstständigt.

Denn die Abbildungen stützen sich zwar auf literarische Quellen – die antike Version des Mythos, aber auch eine Umgestaltung des Stoffes durch den französischen Autor Jean de La Lafontaine aus dem Jahr 1669 – doch sie geben der Geschichte auch eine eigene Richtung. Die Figuren ähneln den antiken Statuen und verhalten sich doch völlig anders. Die Antike wird nicht direkt rezipiert, sondern verändert und mit zeitgenössischen Bildelementen verbunden. Antike Ikonografie und Wohnkultur des 19. Jahrhunderts treffen hier aufeinander. Katja Reimann

Abguss-Sammlung Antiker Plastik, Sa 31.1. bis So 26.4.,

Do-So 14-17 Uhr, Eintritt frei

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