Zeitung Heute : Bildungspaten helfen Schülern

HU-Professorin gründet Chancen-Stiftung.

Constanze Haase
Gemeinsam experimentieren. Jugendliche sollen bei Aktivitäten naturwissenschaftliche Kompetenzen stärken. Foto: Heike Zappe
Gemeinsam experimentieren. Jugendliche sollen bei Aktivitäten naturwissenschaftliche Kompetenzen stärken. Foto: Heike ZappeFoto: alle Rechte

In kaum einem Land ist der Schulerfolg so eng mit der sozialen Herkunft verknüpft wie in Deutschland. So haben es Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund oft schwerer, einen guten Schulabschluss zu erwerben. Auch Kindern aus Familien, in denen noch niemand Abitur hat, fehlt manchmal die Förderung. „Individuelle Entwicklung und schulischer Erfolg dürfen aber nicht von der sozialen Herkunft abhängen. Alle Kinder sollten die gleichen Chancen haben, ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten bestmöglich zu entwickeln“, fordert Sigrid Blömeke. Die HU-Professorin für Systematische Didaktik und Unterrichtsforschung hat jetzt die Stiftung „Chancengleichheit – Bildung von Anfang an“ gegründet – mit einem Startkapital von 50 000 Euro. Ziel ist es, Kinder aus sogenannten bildungsfernen Familien durch individuelle Unterstützung und Feriencamps zu fördern.

Das Problem der ungleichen Chancenverteilung ist durch viele Studien belegt: Kindern aus bildungsfernen Familien fehlt häufig eine kontinuierliche Förderung. Bildungspaten können hier einspringen. Die Erziehungswissenschaftlerin war selbst viele Jahre als Bildungspatin aktiv: „Diese Erfahrungen möchte ich nicht missen. Zu sehen, welche Entwicklungssprünge Kinder trotz schwieriger Startbedingungen bei angemessener Förderung machen können, ist faszinierend.“

Die Förderung beginnt im Kindergartenalter. Ehrenamtliche Bildungspaten und Lehramtsstudierende ermöglichen Kindern früh neue Erfahrungen, begleiten und unterstützen beim Erwachsenwerden, sagt Blömeke. „Zuhören und Diskutieren, gemeinsames Spielen und Experimentieren bei Ausflügen und kulturellen Aktivitäten stärken die sprachlichen und mathematisch-naturwissenschaftlichen Fähigkeiten der kleinen Paten. So kann jeder Chancen stiften.“

Die Paten werden von der Stiftung sorgfältig ausgewählt, um die bestmögliche Betreuung der Kinder zu gewährleisten. Auf ihre Aufgabe werden die Paten intensiv vorbereitet: Die Chancen-Stiftung bietet Schulungen an und stellt Materialien bereit, die für die Förderung genutzt werden können. Und auch die Kosten für Eintrittsgelder bei gemeinsamen Ausflügen werden getragen. „Der Kontakt soll auch für die Bildungspaten eine Bereicherung darstellen. Sie lernen Familien kennen, denen sie im Alltag sonst möglicherweise nicht begegnen würden“, sagt Blömeke.

Lehramtsstudierende können ebenso ihr Berufsfeldpraktikum als Bildungspaten absolvieren. Sie können auch ihr Eignungspraktikum bei der Chancen-Stiftung absolvieren, indem sie ein Feriencamp anbieten. Constanze Haase

Wer Bildungspate werden möchte, kann sich unter folgender E-Mail informieren: info@stiftung-chancengleichheit.de

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