Zeitung Heute : Bilingual von der ersten Klasse an

Eine Elterninitiative macht sich für eine internationale private Grundschule in Mitte stark. Noch werden Räume gesucht

Katja Gartz

LERNEN NACH DER ETWAS ANDEREN IDEE: PRIVATSCHULEN

„Viele Eltern wünschen für ihre Kinder eine internationale Schulbildung mit bilingualem Unterricht“, sagt Yvonne Wende. Das will die Mutter und Dolmetscherin bei einer Umfrage auf vielen Spielplätzen in Mitte und Prenzlauer Berg herausgefunden haben. Gemeinsam mit Eltern, Unternehmern, Psychologen und Pädagogen will sie diesen Wunsch in die Tat umsetzen. Das Ziel ist die Gründung einer internationalen Grundschule in Mitte.

Um das Schulprojekt vorzubereiten und umzusetzen, schlossen sich alle Beteiligten im Dezember zu dem Verein „Initiative für Bildungs- und Begabtenförderung in Berlin Mitte“ zusammen. „Das Angebot richtet sich an alle mehrsprachig aufwachsenden Kinder sowie an Eltern, denen ein früher Fremdsprachenerwerb und eine gute Schulausbildung wichtig ist“, erläutert Yvonne Wende. Englischunterricht soll ab der ersten Klasse stattfinden, nach Bedarf der Schüler könne das Fremdsprachenangebot um Französisch, Spanisch, Russisch oder Chinesisch erweitert werden. Internationale Lehrkräfte sollen frischen Wind in die Schule bringen. Fächerübergreifende Wissensvermittlung, Wegfall des Frontalunterrichts, selbstständiges Lernen der Schüler, aber mit klaren Zielvorgaben, viel Unterstützung und Lernanregungen seitens der Lehrer – so lautet das weitere Programm. Zur Gestaltung des Unterrichts sind auch Kooperationen mit Universitäten und Museen geplant. Bei der Entwicklung des Schulkonzepts lässt sich die Initiative von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung beraten.

Ihr Augenmerk wollen die Schulplaner auch auf die individuellen Stärken der Schüler richten. „Jedes Kind hat unterschiedliche Begabungen und Talente, die Förderung dieser Fähigkeiten steht im Zentrum unseres Schulansatzes“, sagt Yvonne Wende. Deshalb will die Privatschule auch hoch begabten Kindern offen stehen. Um den Bedürfnissen dieser Schüler gerecht zu werden, kooperiert die Schule mit der Deutschen Gesellschaft für das hoch begabte Kind und dem Internationalen Zentrum für Begabungsforschung in Münster. „Steht im Klassenraum ein Internetanschluss und eine kleine Bibliothek zur Verfügung, finden die Schüler, die mehr wissen wollen, auch Antworten auf ihre Fragen“, sagt Architekt Reiner Maria Lonke, der als Dozent an der Technischen Universität Berlin eine Arbeitsgruppe mit hoch begabten Schülern und Studenten ins Leben gerufen hat. Eine Eliteschule will die internationale Schule in Mitte jedoch nicht werden. „Wir bieten eine bodenständige Ausbildung für alle Kinder, unabhängig von sozialer und kultureller Herkunft“, meint Yvonne Wende. Eltern, die sich das Schulgeld von etwa 300 Euro monatlich nicht leisten können, erhalten für ihre Sprösslinge unter Umständen ein Stipendium. Konzipiert ist die neue Grundschule als Ganztagsschule. Am Nachmittag werden den Schülern zahlreiche Kurse mit künstlerischen, musischen und sportlichen Aktivitäten geboten.

Damit die internationale Schule jedoch wie geplant im August 2005 ihren Betrieb aufnehmen kann, muss noch ein Gebäude gefunden werden. Erste Gespräche zwischen Verein und Bezirksamt haben stattgefunden. „Eine große Bildungsvielfalt ist eine Bereicherung, wenn der Bedarf vorhanden ist“, sagt Bildungsstadträtin Dagmar Hänisch. Kritische Stimmen aus dem Bezirksamt merken jedoch an, dass die Privatschuldichte in Mitte hoch genug sei. Internationale Schulen lägen aber nur im Westen und Südwesten der Stadt, halten Befürworter dagegen.

Da der Bezirk kaum Schulräumlichkeiten zu vergeben hat, könnten Kooperationsverhandlungen mit der Jüdischen Gemeinde fruchtbar ausfallen. Diese besitzt geeignete Gebäude in der Auguststraße. Aufgrund der großen Nachfrage will der Verein die internationale Schule überdies gern bereits im August dieses Jahres mit einer Vorklasse in einer Kita beginnen lassen. Angemeldet sind bisher 45 Kinder, doch in welcher Kita ihr Vorklassenunterricht stattfindet, ist noch nicht entschieden.

Informationen: Initiative für Bildungs- und Begabungsförderung, Telefon: 01 79 / 903 52 60, E-Mail:Internationale-schule-berlin@web.de.

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