Zeitung Heute : Bill Clinton vermittelt in Nordkorea

Ehemaliger US-Präsident trifft Machthaber Kim Jong Il / Widersprüchliche Aussagen zu Botschaft von Obama

Justus Krüger[Hongkong]

Der frühere amerikanische Präsident Bill Clinton ist am Dienstag überraschend in Nordkorea eingetroffen. Es handele sich dabei um eine „rein private Mission“, erklärte der Pressesprecher des Weißen Hauses Robert Gibbs in Washington. Sie diene allein dazu, zwei amerikanische Journalistinnen zu befreien, die im Juni in Nordkorea zu zwölf Jahren Arbeitslager verurteilt worden waren.

Der 62-jährige Ehemann von US-Außenministerin Hillary Clinton traf auch mit Staatschef Kim Jong Il zusammen, wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap meldete. Das US-Präsidialamt widersprach jedoch der von Yonhap verbreiteten Information, Clinton habe eine mündliche Botschaft von Präsident Barack Obama übermittelt. „Das stimmt nicht“, sagte Gibbs.

Die Journalistinnen Euna Lee und Laura Ling wurden im März an der chinesisch-nordkoreanischen Grenze verhaftet. Sie sollen die Grenze illegal überschritten haben, hieß es aus Pjöngjang. Eine südkoreanische Menschenrechtsgruppe, die mit den beiden in Verbindung stand, gab allerdings an, dass nordkoreanische Soldaten die Amerikanerinnen auf chinesischem Territorium festgenommen hätten. Die beiden Frauen arbeiteten für die Mediengruppe Current TV in San Francisco, die vom früheren Vize- Präsidenten Al Gore mitbegründet worden ist, der Clintons Stellvertreter im Weißen Haus war.

Die nordkoreanische Führung signalisierte, dass sie den Besuch nicht nur als Rettungsaktion für die beiden verurteilten Journalistinnen auffasst. So gab die staatliche, nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA schon vor Clintons Ankunft bekannt, dass Pjöngjangs Chefunterhändler für nukleare Fragen Kim Kye Gwan, den früheren amerikanischen Präsidenten am Flughafen empfangen soll. „Vielleicht können wir auf Clintons Besuch aufbauen und Fortschritte bei dem Streit um die Kernwaffen erzielen“, sagte Lindsay Graham, Mitglied des Streitkräftekomitees im US-Senat. „Möglicherweise bringt die Reise den Durchbruch“, sagte Graham. Die Regierung in Washington gab sich zugeknöpft. „Wir wollen den Erfolg von Clintons Mission nicht gefährden und werden uns deshalb nicht weiter dazu äußern“, sagte Gibbs.

Die Beziehungen zwischen Nordkorea und den USA erreichten einen Tiefpunkt, als Pjöngjang Anfang April eine Langstreckenrakete und einen Monat später eine Atombombe testete. Die Vereinten Nationen verurteilten beide Tests als unrechtmäßig. Nordkorea erklärte daraufhin, sich aus den Verhandlungen über sein Atomwaffenprogramm zurückzuziehen. Der US-Regierung dagegen ist daran gelegen, Pjöngjang an den Verhandlungstisch zurückzuholen und Nordkorea von der Aufgabe seiner Atomwaffenpläne zu überzeugen. Der letzte hochrangige Gast aus Washington, der mit Kim zusammentraf, war im Jahr 2000 die damalige Außenministerin Madeleine Albright. Im Jahr 2001 begann mit dem Amtsantritt von George W. Bush die bis jetzt andauernde Eiszeit.

Der Überraschungsbesuch Clintons war seit Wochen eingefädelt, strengste Geheimhaltung war angesagt, berichteten US-Medien. Der Jet, mit dem der ehemalige US-Präsident auf dem Flughafen von Pjöngjang landete, trug nicht einmal Hoheitszeichen, hieß es. (mit dpa)

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