Zeitung Heute : Billig fliegen ist harte Arbeit

Der Tagesspiegel

Von Rainer During und Klaus Kurpjuweit

Immer mehr Billig-Fluglinien drängen auf den Berliner Markt. Es ist Bewegung ins lange Zeit starre Preisgefüge gekommen. Einen entscheidenden Nachteil hat das für den Verbraucher allerdings: Der Tarif-Wirrwar wird größer. Nicht jede Billigfluglinie, die mit attraktiven Preisen lockt, ist auch die günstigste. Trotzdem: Wer seine Flugreise gut plant, kann viel Geld sparen.

Jetzt ist mit der irischen Ryanair eine weitere Fluggesellschaft hinzugekommen. Sie will in Schönefeld starten und in Berlin fast eine Million Passagiere pro Jahr abfertigen – vorausgesetzt, die Flughafengesellschaft kommt Ryanair bei den Gebühren entgegen.

Auf Schönefeld konzentriert hat sich bereits die britische Billigfluglinie Buzz, die zuvor nur ab Tegel geflogen war. Sie wirbt mit dem Niedrigtarif von 59 Euro für den einfachen Flug von Schönefeld nach London-Stansted. Bordverpflegung kostet immer extra. Doch die Zahl der superbilligen Plätze ist beschränkt. Wer versucht, am Freitag im Internet einen Hin- und Rückflug mit der ersten und der letzten Maschine für den nächsten Mittwoch zu buchen, bekommt allenfalls noch Flüge für 104 Euro. Mit 208 Euro plus 5,30 Euro Versicherungszuschlag lag der Preis aber immer noch deutlich unter dem Angebot von British Airways. Bei ihr hätte der Tagesausflug von Tegel nach London-Heathrow exakt 930,39 Euro gekostet.

Wer mit seiner Reise nicht an den Tag gebunden ist, kann zusätzlich sparen. Am Dienstag wäre der Flug bei Buzz bereits für 168 Euro zu haben gewesen. Nicht viel teurer ist British Airways, wenn man den Flug mindestens eine Woche vorher bucht und drei bis sechs Tage in London bleibt: 172 Euro kostet der Spaß dann. Dieser Tarif gilt allerdings nicht für alle Flüge.

Einen Preiskampf liefern sich die Lufthansa und die bisher auf Ferienflüge spezialisierte Fluggesellschaft Germania auf der Route zwischen Berlin und Frankfurt /Main, die zuvor allein in der Hand der Lufthansa lag. Germania fliegt zum Einheitspreis von 99 Euro – mit Verzicht auf eine Bordverpflegung. Storniert werden können die Flüge nicht, Umbuchungen kosten 22 Euro.

Lufthansa hat als Antwort auf den neuen Konkurrenten die Preise gesenkt, aber nur für eine beschränkte Anzahl von Plätzen. Pro Richtung kostet der Flug 105 Euro. Wer ein Rückflugticket bestellt, muss aber 488,28 Euro berappen, den Sondertarif gibt es nur bei Einzelbuchungen. Ein Test für den 6. März ergab: Mit der ersten Maschine nach Frankfurt und der vorletzten zurück nach Tegel kam man für 210 Euro. Ein an Auflagen gekoppeltes Rückflugticket (Vorausbuchung, Mindestaufenthalt) ist mit 141,28 Euro günstiger als ein Flug mit Germania.

Preisunterschiede gibt es auch auf anderen Strecken mit mehreren Anbietern. Dabei ist die Deutsche BA auf den Strecken nach Düsseldorf, Köln/Bonn, Stuttgart und München bei den flexiblen Tarifen in der Regel 11 Euro günstiger als die Lufthansa, während diese wiederum beim mit Auflagen verbundenen Niedrigsttarif auf diesen Strecken jeweils etwa 9 Euro billiger ist. Auf Monopolstrecken bleiben die Preise der Lufthansa dagegen in der Regel hoch.

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