Zeitung Heute : Bio-Terrorismus: Erreger

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Schüttelfrost

Insgesamt werden heute etwa zehn Bakterienarten, 25 Toxine und einige andere Schädlinge als potenzielle Biowaffen sowie zehn Toxine als Toxin-Kampfmittel eingeschätzt", sagt der Berliner Genetiker Erhard Geißler. Das Pentagon zählte 1997 unter anderem folgende unter die "Agents of most concern":

Milzbrand (auch als Anthrax bekannt) wird durch ein Bakterium oder dessen Sporen ausgelöst, die mit der Nahrung, durch Wunden oder durch Einatmen in den Körper eindringen. Mit der Entdeckung des Bacillus antracis begründete Robert Koch im Jahre 1876 die Lehre von den Bakterien. Die Erkrankung ähnelt zu Beginn mit Schüttelfrost und Fieber einer Grippe, beim Eindringen in die Lunge können jedoch Atemstörungen schnell zum Tode führen. Die Behandlung muss im Anfangsstadium mit Antibiotika erfolgen. In den Medien wird derzeit von Hamsterkäufen des Präparats Ciprobay in New York berichtet.

Lungenpest wird durch den Erreger Yersinia pestis hervorgerufen. Früher entstand sie meist auf dem Weg über Flohstiche und die Beulenpest. Beim terroristischen Einsatz würden Bakterien direkt versprüht.

Pestbakterien waren möglicherweise das früheste biologische Kampfmittel. Jedenfalls gibt es Berichte darüber, dass schon 1346 die Tartaren bei der Eroberung von Kaffa, einem Außenposten der Genueser auf der Krim, Pestleichen über die Stadtmauern warfen. Die flüchtenden Bewohner hätten sie dann nach Italien eingeschleppt und so den Siegeszug der Seuche in Europa eingeleitet.

Pocken sind eine Virusinfektion, die bei Ungeimpften in mehr als 30 Prozent der Fälle tödlich verläuft. Erst nach mehr als einer Woche bekommt der Infizierte Schüttelfrost und Fieber, später die charakteristischen großen und schmerzhaften Pusteln. Es gibt keine wirksame Therapie. Nachdem der letzte Pockenfall weltweit 1977 in Somalia registriert worden war, wurden die Impfungen gegen das Variola-Virus abgeschafft. Für den Notfall lagern die Viren weiter in zwei Referenzzentren der Weltgesundheitsorganisation WHO. Inzwischen fordern US-Experten, dass ein internationaler Notvorrat von mindestens 40 Millionen Dosen Impfstoff aufgebaut werden sollte.

Die Hasenpest (Tularämie) heißt so, weil sie meist von infizierten Tieren auf den Menschen übertragen wird. Die Krankheit, die unbehandelt in fünf Prozent der Fälle tödlich endet, wird von Bakterien übertragen und kann deshalb mit Antibiotika behandelt werden, allerdings ist die Diagnose schwierig.

Botulinumtoxin ist das Gift des Bakteriums Clostridium botulinum. Seine Wirkung besteht in einer Lähmung der Muskulatur, bekannt nach Vergiftungen durch verdorbene Lebensmittel ("Botulismus"). In winzigen Mengen wird es auch als Heilmittel eingesetzt, etwa bei Bewegungsstörungen, übermäßiger Schweißproduktion oder sogar kosmetisch gegen die so genannten "Zornesfalten". Das Toxin ist um ein Vielfaches giftiger als die meisten chemischen Kampfstoffe.

Die Methoden der molekularen Biotechnologie können genutzt werden, um die Gefährlichkeit von Erregern zu erhöhen: Man kann ihre Widerstandsfähigkeit gegen Umwelteinflüsse erhöhen, sie gegen Antibiotika unempfindlich oder für die Diagnostik schwerer erkennbar machen. Der Zellbiologe und Biowaffen-Experte Jan van Aken vom biotechnologie-kritischen "sunshine project" berichtet von russischen Forschungen, für die ein für die Produktion des "Glückshormons" Endorphin zuständiges Gen in den Hasenpest-Erreger eingeschleust wurde. Damit infizierte Personen würden ein untypisches Krankheitsbild mit starken Verhaltensänderungen zeigen. Mit den modernen Verfahren können aber auch schlicht und einfach größere Mengen eines Toxins hergestellt werden. Andererseits besteht aber auch Hoffnung auf die Entwicklung besserer Impfstoffe und Diagnoseverfahren.

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