Zeitung Heute : Bio-Terrorismus: Methoden: Biowaffen - wie sie ans Ziel kommen

aml lat

Versprühen

Die Verteilung von Krankheitserregern über die Luft, als Aerosol, gilt als die erfolgversprechendste Methode. Nach Meinung von Fachleuten ist sie jedoch sehr anspruchsvoll, weil dabei Teilchen einer ganz bestimmten Größe hergestellt werden müssen: Zu feiner Staub wird wieder ausgeatmet, zu grober gelangt nicht tief genug in die Lunge. Außerdem muss der Erregerstaub, der aus einem Flugzeug verteilt wird, sein Zielgebiet erreichen, ohne verweht, verdünnt oder durch Sonnenlicht zerstört zu werden. Ganz abgesehen davon, dass ein tief fliegendes Flugzeug Verdacht erregen würde. Landwirtschaftliche Sprühflugzeuge haben in den USA derzeit Flugverbot.

Trinkwasser

Brunnenvergiftung ist wahrscheinlich die älteste Form der Nutzung von Biologie als Waffe: Schon römische Soldaten sollen auf ihren Kriegszügen das Trinkwasser der Feinde verunreinigt haben, indem sie Tierkadaver in die Brunnen senkten. Heute hält der Mikrobiologe Alexander Kekulé die Gefahr der Trinkwasserverseuchung für vergleichsweise gering. Zum einen sind nur wenige der als Kampfstoffe verdächtigen Erreger bei oraler Aufnahme richtig gefährlich, zum anderen sei der Verdünnungsfaktor in der Wasserversorgung einer Großstadt gewaltig. Drittens sterben Krankheitserreger in nicht salzhaltigem Wasser relativ schnell ab. Andere wie das Botulismustoxin könnte man durch einfaches Abkochen unschädlich machen. Trotzdem gehörten in den USA die Trinkwasseraufbereitungsanlagen nach dem Anschlag vom 11. September zu den besonders zu schützenden Anlagen. Die Berliner Wasserwerke wollten in dieser Frage keinen Kommentar abgeben.

Angriff in geschlossenen Räumen

Nach Meinung des Zellbiologen und Biowaffenexperten Jan van Aken sind derzeit eher kleinräumige Angriffe, etwa in einem U-Bahn-Waggon, durch terroristische Gruppen realisierbar. "Dort kann mit recht einfachen Mitteln - Bakterienstaub in einer Plas-tiktüte oder mittels einer Sprühdose - eine ausreichend hohe Aerosolkonzentration erzeugt werden, um einige wenige Menschen mit dem Kampfstoff zu infizieren." Von der Panik angesteckt würde dagegen sicher eine weit größere Menschengruppe.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben