BIOMEDIALE KUNSTPaul Vanouse : Digital ist besser

Jeder weiß, was ein „genetischer Fingerabdruck“ ist. Man kennt ihn aus dem Fernsehen, wo Forensiker allabendlich auch die vorsichtigsten Verbrecher anhand von DNA-Spuren überführen, die in Form von Hautzellen, Schweiß, Speichel oder Haaren am Tatort gefunden werden. Hierzulande ist die Zuverlässigkeit dieses Beweismittels in den letzten Jahren in Zweifel gezogen worden, durch den Fall des Heilbronner Phantoms (verunreinigte DNA-Spuren lockten die Polizei jahrelang auf falsche Fährten) und den KaDeWe-Einbruch im Winter 2009 (der Täter hat einen Zwillingsbruder, sein genetischer Fingerabdruck ist nicht eindeutig).

Was ein genetischer Fingerabdruck eigentlich ist, wie man ihn konstruiert und wie er manipuliert und missbraucht werden kann, das sind die zentralen Fragen in der Ausstellung des Biomedienkünstlers Paul Vanouse in der Schering Stiftung. Dafür lässt er DNA-Moleküle von Familienmitgliedern in einem absurden Wettlauf ihre darwinistische Fitness unter Beweis stellen. Er nutzt die zur Sichtbarmachung von DNA-Mustern genutzte Technik, die üblicherweise abstrakte „Porträts“ hervorbringt, zum Erzeugen figurativer Symbole wie dem Copyright-Zeichen oder der Piratenflagge. Das Zentrum der Ausstellung ist ein Labor, in dem Vanouse aus seiner eigenen DNA genetische Fingerabdrücke berühmter Krimineller wie O. J. Simpson herstellt. Die Arbeiten von Paul Vanouse stellen eine fundierte Kritik an kursierenden biologistischen Diskursen dar. Die Ausstellung erfordert jedoch keine ausgeprägten Vorkenntnisse, der Dialog mit dem Publikum und das Vermitteln von Zusammenhängen stehen im Mittelpunkt.David Assmann

Schering Stiftung, bis Sa 26.3., Mo-Sa 11-18 Uhr, Eintritt frei

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