BIOPIC„Hitchcock“ : Alfred und Alma

Foto: Fox
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Ende der fünfziger Jahre läuft eigentlich alles super für Alfred Hitchcock (Anthony Hopkins). Sein letzter Film „Der unsichtbare Dritte“ ist ein großer Erfolg, die Presse hofiert ihn, mit seiner Frau Alma Reville (Helen Mirren) bewohnt er ein luxuriöses Domizil in den grünen Hügeln Hollywoods. Doch der Selbstzweifel nagt, als man dem 60-Jährigen nahelegt, er könne doch jetzt, auf dem Höhepunkt seines Ruhms, in den Ruhestand gehen. Natürlich will es der störrische Brite noch mal allen zeigen. Auf der Suche nach einem spektakulären Stoff stößt er auf den Roman „Psycho“ über den Serienmörder Ed Gein. Gegen alle Widerstände boxt Hitchcock das Drehbuch durch, muss den Film aber selbst finanzieren und das eigene Haus verpfänden.

„Hitchcock“ erzählt eine Geschichte, deren Ausgang jeder kennt: „Psycho“ wurde der größte Triumph des Regiegenies. Umso spannender ist es, ähnlich wie kürzlich bei „Lincoln“, das „Wie“ zu verfolgen: wie Hitchcock die Schauspielerinnen Janet Leigh (Scarlett Johansson) und Vera Miles (Jessica Biel) und seinen Hauptdarsteller Anthony Perkins (James D’Arcy) am Set piesackt und manipuliert, wie er mit der Zensurbehörde um die berüchtigte Duschszene kämpft, wie er den Film mit einer Aura höchster Geheimhaltung umgibt. Und egal, ob wahr oder gut erfunden: Wenn Hitchcock bei der Premiere im Foyer steht und die Schreckensschreie aus dem Kino wie ein imaginäres Orchester dirigiert, ist das wieder ein Bild, das in die Filmgeschichte eingeht. In seinem Spielfilmdebüt verknüpft Regisseur Sacha Gervasi („The Story of Anvil“) die Entstehung von „Psycho“ untrennbar mit einer schwierigen Liebe: Alma erträgt mit unendlicher Geduld die Launen ihres mürrischen Gatten, doch von den schlecht kaschierten Flirts mit seinen Filmblondinen ist sie so bedient, dass sie mehr aus Trotz bereit ist, die Ehe für eine Affäre aufs Spiel zu setzen. Als das Projekt auf der Kippe steht, ist es jedoch ihre pragmatische Entschlossenheit, die das Ruder herumreißt. Unverständlicherweise wurden Anthony Hopkins’ und Helen Mirrens brillante Verkörperung dieses umeinander kämpfenden Ehepaares bei den Oscarnominierungen übergangen. Was wiederum ganz gut Hollywoods Ignoranz gegenüber dem Meister der Suspense spiegelt, der ja selbst nie als bester Regisseur ausgezeichnet wurde. Sehenswert. Jörg Wunder

USA 2012, 98 Min., R: Sacha Gervasi, D: Anthony Hopkins, Helen Mirren, Scarlett Johansson, Danny Huston, Jessica Biel, James D’Arcy

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