Zeitung Heute : Biosprit E10 bleibt

„Benzingipfel“: Regierung und Industrie einigen sich nur auf bessere Informationen an Tankstellen

Berlin - Der neue, umstrittene Biokraftstoff E10 bleibt im Angebot. Darauf verständigte sich die Bundesregierung am Dienstag beim „Benzingipfel“ mit der Auto- und Mineralölindustrie. Die Teilnehmer vereinbarten, die Informationen über das mit zehn Prozent Biokraftstoff vermischte Benzin zu verbessern und zu verstärken, wie Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) nach dem Treffen sagte. Er hatte dazu eingeladen, weil die Autofahrer die seit wenigen Wochen angebotene Benzinsorte bisher nicht angenommen haben – aus Furcht, sie könnte den Motor des Wagens beschädigen. Stattdessen tanken viele das im Schnitt acht Cent je Liter teurere Super-Plus-Benzin.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) sagte, künftig solle an den Tankstellen über die Verträglichkeit der Benzinsorte ausführlich informiert werden. „Die Tankstelle ist der Ort, wo der Verbraucher Klarheit haben muss.“ Dort sollen Listen ausgelegt werden, welche Autos E10 vertragen. Diese offizielle Liste gibt es auch im Internet (siehe Link am Ende dieses Artikels). Alle Beteiligten an der Gesprächsrunde hätten E10 aus Gründen des Klimaschutzes und der Schonung der Ressourcen befürwortet, sagte Röttgen. Er betonte, Grund für die Einführung von E10 sei nicht zuletzt gewesen, die Abhängigkeit von Rohöl zu verringern. „Ich glaube, die Autofahrer in Deutschland wollen umweltbewusst sein.“ Er verwies zudem darauf, dass die Einführung von E10 über Parteigrenzen hinweg gewollt sei. Seine Amtsvorgänger Jürgen Trittin (Grüne) und Siegmar Gabriel (SPD) hätten diese auch gefordert, die Pläne aber nicht umgesetzt. Das sei keine verantwortungsbewusste Politik.

Röttgen wies Spekulationen zurück, die Regierung werde die Androhung von Strafzahlungen gegen die Mineralölunternehmen zurücknehmen. Sie sollen im Extremfall in ein bis zwei Jahren bis zu zwei Cent je Liter an den Fiskus zahlen, falls sie die angestrebte Beimischungsquote von 6,25 Prozent Biosprit im Schnitt aller Kraftstoffsorten nicht erfüllen. „Selbstverständlich werden die Sanktionen nicht ausgesetzt“, stellte Röttgen klar.

Klaus Picard vom Mineralölwirtschaftsverband äußerte die Hoffnung, dass die Autofahrer nun verstärkt E10 tanken: „Das Produkt wartet“, sagte er.

Derzeit vertragen etwa drei Millionen Autos den neuen Sprit nicht. In der DAT- Liste, die auf Informationen der Autohersteller basiert und die als rechtsverbindlich gilt, lässt sich die E10-Verträglichkeit der einzelnen Fahrzeugtypen feststellen. Demnach sind die meisten E10- tauglich. Ausnahmen werden einzeln aufgeführt – es handelt sich in der Regel um ältere Baujahre oder bestimmte Motorvarianten: Bei Volkswagen betrifft es beispielsweise einige Modellreihen aus den Baujahren 2001 bis 2006, bei Opel nur Modelle mit der Motorvariante „2.2 Direct“, bei Ford Mondeo-Modelle aus den Jahren 2004 bis 2006. Auch bei Mercedes-Benz sind Autos der Baujahre 2002 bis 2005 betroffen. BMW gibt an, alle Pkw-Modelle sämtlicher Baujahre seien unbedenklich, doch müsse die vorgeschriebene Oktanzahl beachtet werden.www.dat.de/e10liste/

e10vertraeglichkeit.pdf

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