Zeitung Heute : Bis die Sicherung rausfliegt - Beim Szenemagazin tanzen SFB und und Viva auf dem Hauptstadt-Parkett

Alexandra Hahn

Also, junge Leute, aufgepasst, bald habt ihr einen neuen Kultsender: B 1, das Berlin-Fernsehen des SFB. Das ist natürlich etwas übertrieben. Zunächst würde es dem SFB reichen, wenn doppelt so viele 16- bis 30-Jährige zuschauen würden. Und zwar bei dem neuen Szenemagazin auf B 1, "Berlin Beat" (morgen um 23 Uhr). Von dem neuen Magazin erhofft sich der SFB eine Steigerung des Marktanteils in dieser Zielgruppe von drei auf sechs Prozent.

Der SFB hat alles getan, um das neue Magazin mit der entsprechenden Jugendkompetenz auszustatten: Er hat sich mit dem Musiksender Viva zu einer Gemeinschaftsproduktion zusammengetan. B 1 will Viva "als Jugendvehikel" nutzen, um sein Durchschnittspublikum im Alter von 50 Jahren zu verjüngen, und Viva will die "Berlin-Kompetenz" des SFB nutzen. Auch die Kosten werden geteilt.

Ausgestrahlt wird "Berlin Beat" alle 14 Tage eine halbe Stunde lang auf B 1, und - durch Videoclips verlängert - eine ganze Stunde lang auf Viva (ab Montag, 5. Juni, 20 Uhr). Und was will "Berlin Beat" bieten? Neues, Schräges, Trends und Sehenswertes aus der Szene, beziehungsweise aus "den Szenen". Unterhaltung, Information, Hintergründe und viel Service.

Für junges Berliner Flair sorgt auch die Moderatorin, die 26-jährige Berlinerin Jacqueline Asadolahzadeh, zur Vereinfachung: "Jackie A.". Sie moderiert aus einem Studio in absichtlich biederem Sechziger-Jahre-Look, das in einer stillgelegten Fabrikhalle im Osten Berlins liegt. Hier empfängt sie in jeder Sendung ein bis zwei Gäste. In der Rubrik "Porträt" stellt sie vom Schauspieler bis zum Koch eine Persönlichkeit der Stadt vor, "Nachtschwärmer" besuchen Clubs und Bars, in "Spezial" gibt es Tipps zu Stadtführungen, Shopping oder Sport. Service bietet außerdem der Veranstaltungkalender "WasWannWo", eine Zusammenarbeit mit der Zeitschrift "030". Jackie A., die in ihre Auftritte mit unterschiedlichen Perücken Abwechslung bringt, hat eigene Szene-Erfahrung: Sie organisierte vier Jahre lang die Pressearbeit im ehemaligen Hard-Core-Technoclub "Bunker" und präsentierte beim Berliner Privatsender TV Berlin eine Kuppelshow für frustrierte Großstadtsingles.

Der Name des Magazins scheint in der Tat Programm zu sein: Mit viel Beat werden die noch etwas steifen Beiträge und Interviews aufgepeppt. Bei der Präsentation der ersten Premierensendung in der Berliner Volksbühne war das wohl etwas zu viel Disco-Beat: Schon zu Beginn der Ausstrahlung flog die Sicherung raus.

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