Zeitung Heute : Bis euch die Kirche scheidet

Durch das neue Partnerschaftsgesetz sehen die Bischöfe die Ehe entwertet. Dem wollen sie in den eigenen Reihen entgegenwirken. In einer gemeinsamen Vorschrift haben sie festgelegt: Kirchlichen Angestellten, die eine Homoehe eingehen, wird gekündigt.

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Von Martin Gehlen

Erst kamen die scharfen Worte. Dann die harschen Taten. Nachdem das Bundesverfassungsgericht im letzten Monat das Lebenspartnerschaftsgesetz endgültig abgesegnet hatte, reagierte der Vorsitzende der deutschen Oberhirten, der Mainzer Kardinal Karl Lehmann, gereizt. Die Ehe drohe auf das Abstellgleis zu geraten, schimpfte er. In der deutschen Rechtsordnung werde sie mehr und mehr zu einer beliebigen Lebensform unter anderen.

Dem will die Kirche nun entgegenwirken – zumindest in den eigenen Reihen. Wie genau, das verbirgt sich hinter dem Aktenzeichen 565A/02/05/1, nach und nach abgedruckt in den Amtsblättern aller katholischen Bistümer. Das neue Rechtsinstitut der eingetragenen gleichgeschlechtlichen Partnerschaft widerspreche der katholischen Lehre über Ehe und Familie, heißt es in dem Text. Wer als Mitarbeiter der Kirche eine homosexuelle Lebenspartnerschaft eingehe, begehe einen „schwerwiegenden Loyalitätsverstoß". Das bedeutet Kündigung und zwar „aus kirchenspezifischen Gründen".

Empört reagierten nicht nur die Interessenverbände von Lesben und Schwulen, sondern auch SPD, FDP und Grüne. Die Bischöfe wollten ihre homosexuellen Mitarbeiter wie „ansteckende Kranke" aussondern, erklärte der Sprecher des Lesben- und Schwulenverbands, Manfred Bruns. Damit zeigten die Bischöfe „ihr wahres Gesicht", nachdem sie zuvor betont hätten, Lesben und Schwule nicht diskriminieren zu wollen.

So weit es sich um Mitarbeiter im so genannten Verkündigungsdienst wie etwa Priester handele, könnten die Kirchen „berechtigt" sein, diese bei Verstoß gegen kirchliche Glaubens- und Moralvorschriften zu entlassen. Anders verhalte es sich aber mit den Beschäftigten in der kirchlichen Sozialarbeit, etwa in Einrichtungen der Caritas und anderen Institutionen wie Kirchenzeitungen, betonte Bruns. Denn kirchliche Sozialarbeit werde fast ausschließlich mit staatlichen Mitteln und nicht aus Kirchensteuereinnahmen bestritten.

Kritik an den neuen Richtlinien der Oberhirten übten auch die Lesben und Schwulen in der Union (LSU), während sich die Christdemokraten ansonsten in Schweigen hüllen. Die geplanten Kündigungen bedeuteten nichts anderes als einen Ausstoß in „inquisitorischer Manier", heißt es in ihrer Erklärung. Die LSU forderte die Bischöfe auf, ihr Vorhaben zurückzunehmen. Der Vorwurf, Menschen in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft würden sich in einem „schwerwiegenden Loyalitätsverstoß" mit der katholischen Kirche befinden, stimmt nach Ansicht der LSU nicht. Vielmehr maße sich hier die Amtskirche an, Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung zu diskriminieren, „aber andererseits jahrzehntelang das unselige Wirken pädophil veranlagter Priester unter den Teppich zu kehren".

Als einer der ersten veröffentlichte der Limburger Bischof Franz Kamphaus den umstrittenen Beschluss. In einem Brief an alle Mitarbeiter ließ er seinen Generalvikar die neue Linie erläutern. Angestellte der Kirche hätten einen hohen Grad an Mitverantwortung für die Glaubwürdigkeit des kirchlichen Dienstes, heißt es in dem Text. Diese Verantwortung sei nun besonders gefordert, da ein den „kirchlichen Grundsätzen diametral widersprechendes staatliches Recht in Kraft gesetzt wurde".

Das sehen die anderen Bistümern genauso. Sie alle wollen in den kommenden Wochen in gleicher Weise verfahren. Praktische Folgen hat diese Gemeinschaftsaktion der Bischöfe jedoch zunächst nicht. Zwar haben ein Jahr nach dem Start des neuen Gesetzes bundesweit gut 5000 gleichgeschlechtliche Paare eine Partnerschaft eintragen lassen. Ein kirchlicher Mitarbeiter ist bisher offenbar noch nicht darunter.

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