Zeitung Heute : Bis zu drei Wochen dicht

Große Industriebetriebe ruhen nach Weihnachten, um Überstunden abzubauen oder für Wartungsarbeiten

Barbara Bierach

Manche Branchen haben jetzt Hochkonjunktur, der Chef erwartet von den Mitarbeitern in der Weihnachtszeit Überstunden bis zum Limit. Doch viele Betriebe gehen gerade jetzt den umgekehrten Weg: Sie ordnen Betriebsferien an und schicken die Beschäftigten bis zum neuen Jahr oder darüber hinaus nach Hause. Besonders lange stehen die Räder im Berliner BMW-Motorradwerk still: Die Mitarbeiter aus der Produktion bleiben drei Wochen zu Hause.

Die Beschäftigten werden aber nicht dazu verdonnert, drei Wochen lang im Winter Urlaub zu nehmen. Die freie Zeit nach Weihnachten erarbeiten sich die Beschäftigten im Laufe des Jahres. Hintergrund sind besondere Arbeitszeitvereinbarungen, die auf die Bedürfnisse der Motorradproduktion abgestimmt sind. Rund 70 Prozent der Maschinen werden in den ersten sieben Monaten des Jahres ausgeliefert, heißt es bei BMW. Entsprechend wird in dieser Zeit mehr gearbeitet, unter anderem in einer Extraschicht an Samstagen. Die Mehrarbeit wird auf Arbeitszeitkonten gutgeschrieben, die sich in den drei Ferienwochen nach Weihnachten leeren. „Das schränkt zwar die Möglichkeiten ein, Überstunden nach individuellen Vorstellungen abzufeiern, aber da die Beschäftigten durch einen Betriebskalender vorab informiert sind, sind wir mit dieser Regelung einverstanden“, sagt Gewerkschaftler sagt Klaus Abel, zweiter Bevollmächtigter bei der Berliner IG-Metall. „Wer nicht genug Überstunden auf dem Konto hat, bekommt Minusstunden angerechnet, die dann im Folgejahr ausgeglichen werden.“

In den Großbetrieben der Industrie gebe es in der Regel keine Probleme wegen angeordneten Betriebsferien, da diese nur nach Absprache mit den Betriebsräten Auszeiten anordnen können. „Grundsätzlich können Betriebsferien nur in Firmen vereinbart werden, die einen Betriebsrat haben“, sagt Abel.

Auch andere große Berliner Industriebetriebe schicken die Mitarbeiter zwischen den Jahren nach Hause. Siemens schließt mehrere Abteilungen, der Auto-Zulieferer Visteon in Zehlendorf macht Pause und auch im Daimler-Chrysler Werk in Marienfelde herrscht zwischen Weihnachten und Neujahr Betriebsruhe. Einige Beschäftigte müssen dennoch ran: Sie führen Wartungsarbeiten an den abgeschalteten Produktionsanlagen durch. Alexander Visser

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