Zeitung Heute : Bis zum Letzten

Friedhard Teuffel

Trotz der belastenden DNS- Ergebnisse beteuert das Umfeld von Jan Ullrich weiterhin dessen Unschuld. Was kann jetzt noch aus Ullrich werden?


Jan Ullrich bestreitet zurzeit ein Rennen, das er nicht mehr gewinnen kann. Und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis ihm die Puste ausgeht. Der Radrennfahrer kämpft mit bescheidenen Mitteln um seine Glaubwürdigkeit. Seitdem die Staatsanwaltschaft ihm Blutkonserven aus der Klinik des mutmaßlichen spanischen Dopingarztes Eufemiano Fuentes zuordnet, hat er wohl die Kontrolle über das Verfahren verloren. Er muss nun auf mehreren Ebenen gleichzeitig um seine Zukunft kämpfen.

Da ist zum einen die juristische, denn die Staatsanwaltschaft Bonn bemüht sich weiterhin um den Nachweis, dass Ullrich den spanischen Arzt mit dem Ziel aufgesucht hatte, seine Leistung mit verbotenen Mitteln zu steigern. Die Staatsanwälte hoffen, das Ermittlungsverfahren vor Ende dieses Jahres abschließen zu können. Weiterhin anhängig ist das sportrechtliche Verfahren beim Olympischen Komitee der Schweiz – Ullrich war zuletzt mit Schweizer Lizenz gefahren. Zwar hat Ullrich seine Karriere im Februar beendet, eine Wettkampfsperre wäre also wirkungslos. Der Sportverband könnte ihm jedoch verbieten, als Trainer oder Betreuer zu arbeiten.

Es könnte auch sein, dass zivilrechtliche Klagen auf den 33-Jährigen zukommen. Ullrichs früherer Arbeitgeber T-Mobile wird prüfen, ob er von dem Rennfahrer noch Schadenersatz fordern kann. Ullrich hatte T-Mobile schriftlich versichert, nie mit Fuentes zusammengearbeitet zu haben. Schon seit einigen Monaten liegt Ullrich im Rechtsstreit mit dem Molekularbiologen und Anti-Doping-Kämpfer Werner Franke. Der Heidelberger Professor hatte gesagt, dass der Radsportler in einem Jahr 35 000 Euro an Fuentes gezahlt habe. Ullrich erklärte an Eides statt, diese Behauptung sei falsch. Franke wartet nun ab. „Wenn Fuentes von Ullrich Geld bekommen hat, dann hat er falsch ausgesagt. Fuentes hat schließlich sein ganzes System nicht einfach so aufgebaut, es erforderte einen erheblichen finanziellen Aufwand“, sagt er.

Während Ullrich auf das strafrechtliche Verfahren und auf mögliche zivilrechtliche Klagen abwartend reagieren kann, weil ihm die Schuld nachgewiesen werden muss, ist beim Kampf um Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeit von ihm Offensive gefordert. Denn nach der Bekanntgabe des Ergebnisses der DNS-Analyse steht Ullrich als Lügner da. Das hat auch Auswirkungen auf seine beruflichen Ambitionen. Das österreichische Team Volksbank, das Ullrich als Berater und Repräsentant verpflichten wollte, nimmt vorerst Abstand von ihm. Auch Ullrichs Werbepartner, ein Hersteller von Funktionsunterwäsche und ein Unternehmen für Reifenreparatursysteme, könnten sich von ihm trennen.

Eine Verteidigungsstrategie ist zurzeit noch nicht zu erkennen. Von Ullrich ein Geständnis zu erwarten, hält der Sportwissenschaftler und Dopingbekämpfer Helmut Digel für „lächerlich“. „Er fühlt sich im Moment wahrscheinlich als der Einzige in dieser Geschichte, der betrogen worden ist“, sagt der Tübinger Professor, „denn er sieht, dass alle anderen, die ebenfalls bei Fuentes waren, einfach weiterfahren.“

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