Zeitung Heute : Bis zur Lächerlichkeit

Der Tagesspiegel

Ironie kann in der Politik zu einer tödlichen Waffe werden. Der ehemalige Fallschirmjäger- und Panzergeneral Ariel Scharon weiß das genau und benutzt diese Waffe konsequent gegen interne Gegner und äußere Feinde – jetzt gegen den saudiarabischen Friedensplan. Der fordert für die Anerkennung Israels durch die arabische Welt einen aus Scharons Sicht unakzeptablen Preis: den Rückzug auf die Grenzen vor dem Sechs-Tage-Krieg 1967. Das bedeutete die Aufgabe aller Siedlungen - also die Zerstörung von Scharons Lebenswerk. Aber zum Glück wollen die Saudis ihren Plan nicht vorlegen, wenn Arafat nicht nach Beirut reisen darf. Folglich lässt Scharon Arafat zappeln – demütigend bis hin zur Lächerlichkeit, indem er sich selbst als Ersatz-Gesprächspartner anbietet: Er wolle den arabischen Herrschern seinen eigenen Plan erklären. Er hat aber gar keinen. Auch der saudiarabische Plan nützt nicht viel, weil er sich kurz- bis mittelfristig nicht umsetzen lässt. Er ist ein anerkennenswerter Versuch, Bewegung in die blockierte Szenerie zu bringen. Wie die schwierige Mission des US-Vermittlers Anthony Zinni zeigt, ist selbst ein Waffenstillstand kaum auszuhandeln, ganz zu schweigen von politischen Fortschritten. Alles, was Fortschritte bringen könnte, stößt bei Scharon und bei Arafat auf Ablehnung. Das gilt auch für den saudiarabischen Plan. Vielleicht merkt die amerikanische Regierung das endlich und erhöht den Druck – auf beide Seiten. cal

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