Zeitung Heute : Bischöfliche Residenz

Die restaurierte Burg zu Ziesar präsentiert, wie vor 1000 Jahren das Christentum in die Mark gelangte

Helmut Caspar

Noch gleicht die ehemalige Bischofsburg zu Ziesar im Landkreis Potsdam-Mittelmark einer Baustelle. Doch am Pfingstsonnabend soll alles fertig sein. Denn an diesem Tag wird mit der Dauerausstellung „Wege in die Himmelsstadt. Bischof – Glaube – Herrschaft 800 bis 1550“ auf der Burg das diesjährige Kulturland-Jahr offiziell eröffnet, das „1000 Jahre Christentum“ in der Mark als Schwerpunktthema hat.

Nicht nur die Ausstellung in der ehemaligen Residenz der Bischöfe, die etwa 30 Kilometer von der Stadt Brandenburg entfernt liegt, sondern auch das Gebäude selbst legen Zeugnis darüber ab, wie das Christentum in die Mark gelangte und welche Auswirkungen die Bekehrung der hier lebenden Slawen für die Kolonisierung der waldreichen Region hatten. Bürgermeister Dieter Sehm und das Gastgewerbe hoffen, dass durch die aufwändig restaurierte Burg Ziesar auch der Ort überregional bekannt wird.

Die Räume der ab dem 12. Jahrhundert erbauten Burg wurden ständig verändert. Sie wurden mal vergrößert, mal verkleinert. Wandmalereien wurden überstrichen, Türen und Fenster vermauert, Kamine stillgelegt oder neue eingerichtet. Es gab Küchen und Weinkeller und auch eine komfortable Fußbodenheizung, die vom Keller aus befeuert wurde und das ganze Haus erwärmte. Die Reste sind erhalten und werden auch während des Rundgangs durch die Burg gezeigt. Und im Burggefängnis belegen Inschriften von Insassen aus dem 16. Jahrhundert die vom Bischof als Gerichtsherr ausgesprochen Strafen.

Nicht alle baulichen Veränderungen wurden von den hier einst residierenden Kirchenfürsten vorgenommen, sondern stammen auch aus jüngerer Zeit. So diente beispielsweise der Palas mit den ehemals bischöflichen Wohn- und Repräsentationsräumen als Schulinternat und die Burgkapelle wurde zeitweilig als Lagerraum zweckentfremdet. Das alles hat den Räumen natürlich nicht gut getan.

5,2 Millionen Euro sind für die Sanierung und Restaurierung veranschlagt. Finanzielle Unterstützung bekommt die Landesregierung vom Lotto und von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Für die Restaurierung der Kapelle mit ihren spätmittelalterlichen Wandmalereien. gab der World Monuments Found in New York Geld. Sie wird von der katholischen Gemeinde für Gottesdienste genutzt und kann nur zu festgelegten Zeiten besichtigt werden.

Die Dauerausstellung, die vom 14. Mai an im Palas zu sehen ist, kommt mit wenigen, aber qualitätsvollen Exponaten aus, denn aus vorreformatorischer Zeit sind nicht viele Dokumente oder andere Zeugnisse erhalten. Gezeigt werden beispielsweise Urkunden, Siegel, Gegenstände aus dem bischöflichen Haushalt, die bei Ausgrabungen entdeckt wurden und auch andere archäologische Fundstücke. Auch die steinerne Grabplatte, die für den einzigen in Ziesar bestatteten Bischofs Dietrich von Stechow (1459-72) gefertigt wurde, ist zu sehen.

Es gehört zum Ausstellungskonzept, dass die Vitrinen nicht an den Wänden, sondern in der Mitte der Räume stehen. „Die Wände sind wie aufgeschlagene Geschichtsbücher, man kann an ihnen die Entwicklungsgeschichte der Burg wunderbar ablesen. Wer sich in die Reste der Malereien und Baustrukturen vertieft, versteht sicher auch, was es bedeutete, in einer solchen Burg zu leben“, meint Ausstellungskurator Bergstedt und demonstriert das an einem über zwei Etagen reichenden Raum mit dunkelrot bemalten Kreuzrippen in der Decke.

Die Burg kann vorab vom 26. bis 28. März (10 bis 16 Uhr) besichtigt werden.

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