Zeitung Heute : „Bitte anschnallen!“

100 Jahre Luftfahrt und die etwas andere Online-Präsentation

Marisa Middleton

Selten fand eine Pressekonferenz auf so hohem Niveau statt. Sicherheitsschranke, Taschendurchleuchtung, doppelte Ticketabfrage. In Zweiergruppen durften die Presseleute schließlich den Ort des Geschehens betreten: einen Zeppelin. Noch schwebte das Luftschiff, von dem es auf der Welt insgesamt nur drei kommerziell betriebene gibt, über dem Boden des Flughafens Berlin-Tempelhof, befestigt an einem einzigen Mast. Dann ging es in die Luft – alles nur, um eine neue Website vorzustellen.

Auf 500 Metern Höhe schnallte sich der Präsidialgeschäftsführer des Bundesverbandes der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), Hans-Joachim Gante, von seinem Gurt ab, stand auf und erklärte den anwesenden Journalisten stolz: Der BDLI hat ein neues Internetportal zur Geschichte der Luft- und Raumfahrt entwickelt, das er hier präsentieren möchte. Anlass ist das hundertjährige Jubiläum des Motorflugs. „Die Internetseite lenkt den Blick auf die Jugendjahre der Luftfahrt, die Zeit der tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten.“ Vor 100 Jahren hatten die Gebrüder Wright mit dem motorgetriebenen Doppeldecker „Kitty Hawk“ den Luftraum erobert. Es war der erste lenkbare Flugapparat „schwerer als Luft“, der längere Distanzen überbrücken konnte. Die Voraussetzung hatte 1891 Otto Lilienthal mit seinen aerodynamischen Berechnungen gelegt. Graf Zeppelin stieg neun Jahre später mit dem ersten Starrluftschiff LZ 1 am Bodensee in die Luft. Sein Konzept „leichter als Luft“ ist noch heute aktuell, so leicht soll es nun auch online zugehen. Neben einer Chronik, von Lilienthals Flugmaschinen zum Airbus A380, sollen auf der Website zu sehen sein: Kapitel zur zivilen und militärischen Luftfahrt und dem Geflecht von politischen und militärischen Interessen.

Wie gesagt: sollen zu sehen sein. Denn: Wo war da oben in der Luft die neue Website des BDLI? Die Präsentation beschränkte sich auf mündliche Erklärungen. Kein kabelloses Funknetz, kein multimedialer Flash-Auftritt, keine Website im Luftschiff. Herr Gante setzte sich wieder, schaute aus dem Fenster. Die Journalisten drängelten sich im Cockpit. Aber erst am Boden konnten sie sich davon überzeugen, dass die neue Website nicht nur heiße Luft ist.

Im Internet:

www.geschichte.aero

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