Zeitung Heute : Bitte keine gelben Zettel!

Schlamperei mit Passwörtern, beleidigende Mails, Internet-Pornos – Was Arbeitnehmern verboten ist

Kurt Sagatz

Sie liegen unter Schreibtisch-Unterlagen, werden gerne in der obersten Schublade des Rollcontainers verwahrt, und im schlimmsten Fall kleben sie direkt als gelber Zettel am Monitor: Passwörter. Dabei gehört es zu den elementaren Vorsorgepflichten jedes Arbeitnehmers, mit diesen Zugangsdaten besonders sorgfältig umzugehen. Es muss nicht einmal eine gesonderte Betriebsvereinbarung existieren, die den Umgang mit den Passwörtern regelt, als so selbstverständlich wird diese Sorgfaltspflicht angesehen.

Passwörter: Sicher und unzugänglich

Zu den Vorsorgepflichten der Arbeitnehmer zählt daher, erstens ein Passwort zu wählen, dass diesen Namen tatsächlich verdient. Die Namen von Hunden, Katzen oder Ehefrauen gehören dazu sicherlich nicht. Auch die Wiederholung des Anmeldenamens als Kennwort ist für Eindringlinge ein offenes Scheunentor. Am sichersten ist immer noch eine Kombination von Buchstaben und Zahlen. Dabei sind Begriffe zu meiden, die in Wörterbüchern und Lexika vorkommen. Die zweite Pflicht betrifft den sicheren Aufbewahrungsort, der unzugänglich sein sollte. Drittens muss das Passwort regelmäßig geändert werden. Damit ist keineswegs die zweimal jährliche Änderung von „Sommer“ in „Winter“ und umgekehrt gemeint.

Wie ernst das Thema ist, zeigt die juristische Praxis. Denn wer das regelmäßige Ändern des Passwortes genauso regelmäßig vergisst, wird zum Kandidaten für eine Abmahnung. Im Wiederholungsfall sind sogar noch weiter reichende Sanktionen möglich. Und wer die Passwörter dann noch Betriebsfremden zugänglich macht, riskiert sogar die fristlose Kündigung. „Je sensitiver der Bereich ist, der mit Passwörtern geschützt werden soll, umso mehr muss auf die Einhaltung der Sorgfaltspflicht geachtet werden“, rät Medienrechtsanwalt Stefan Ernst und führt als Beispiel die Lohnbuchhaltung an.

Kein Kavaliersdelikt

Doch es gibt noch andere Unsitten, die nicht mehr als Lässlichkeit angesehen werden. Das Versenden von Computerviren zählt bereits zu den Online-Straftaten, die zu einer fristlosen Kündigung führen können. Das Gleiche gilt für das Kopieren von Firmendaten. Eine nachhaltige Vertrauensstörung wird zudem angenommen, wenn über den betrieblichen Internet-Zugang pornografisches Material heruntergeladen wird.

Ebenfalls juristisch problematisch ist es, Firmensoftware auf den Rechner daheim oder eigene Software auf dem Arbeitsplatz- PC zu installieren. Selbst wenn dies im guten Willen geschieht, um daheim noch etwas erledigen zu können oder im Betrieb mit einer besseren Software zu arbeiten, kann dies arbeitsrechtliche Konsequenzen haben.

Aber auch beleidigende E-Mails an den Arbeitgeber oder Kollegen können zur außerordentlichen Kündigung führen. Man sollte zudem vorsichtig mit allzu harscher Kritik an seinem Arbeitgeber im Internet sein. Wer bereits abgemahnt wurde, riskiert sonst seinen Arbeitsplatz. Doch selbst für kleine Scherze sind Arbeitsrichter selten zu haben: Wer per Firmen-E-Mail das Betriebsklima durch das interne Versenden von Witzen, Zoten oder lustige Kettenbriefe auflockern will, sollte daran denken, dass auch dieses Verhalten bereits zu Abmahnungen geführt hat.

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