Zeitung Heute : Bitte um Hausbesetzung

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Die Akademie der Künste gibt sich jung und lädt zu einer „Langen Nacht“ ein. Präsident Muschg träumt von Anarchie

Vor einem halben Jahr hat ein Gutachten der Akademie der Künste bescheinigt, dass sie verkrustet, überaltert und reformresistent ist. Das hat gewirkt: Am Sonnabend stellt sich mit einer Ausstellung und einem Musikprogramm, in Filmen und Lesungen die „Junge Akademie“ vor. Akademiepräsident Adolf Muschg wünscht sich sogar, „dass die Akademie gestürmt würde von der jungen Kunst, eine Art Hausbesetzung“. Auch schon bisher war die Akademie mehr als ein AltherrenClub, nur merkte es niemand. Seit zehn Jahren vergibt sie für 120000 Euro Stipendien an junge Literaten, Filmemacher, Maler und Architekten. Aber bislang arbeitete jede Kunstsparte alleine vor sich hin. Nun ist es gelungen, zumindest die jungen Künstler zum Austausch und zur Zusammenarbeit anzuregen. Und die finden das großartig: „Es hat sich viel geöffnet in mir durch diese Mischung“, sagt Kirsi Liimatainen, eine finnische Filmemacherin. „Man braucht im eigenen Haus Anregungen“, sagt Muschg. Streit ist dabei ausdrücklich erwünscht: Die „Generationenspannung“ gehört für Muschg „wesentlich zum Inhalt der Akademie“.

Regisseur und Stipendiat Roland Brus sieht denn auch das neue Netzwerk „Junge Akademie“ als „Frischluftzufuhr“, die auch Themen aus der realen Welt in die hehren Hallen der Akademie bringen. Brus hat jahrelang mit Gefangenen und Obdachlosen Theaterprojekte auf die Beine gestellt. Die „Nacht der Jungen Akademie“ am Sonnabend ist als Auftakt gedacht; in Werkstattgesprächen, bei der Sommerakademie, in Ausstellungen und Filmvorführungen sollen sich die Jungen nun regelmäßig präsentieren. clk

„Lange Nacht der Jungen Akademie“, Sonnabend, 15. Mai, 16 bis 24 Uhr. Hanseatenweg 10, Tiergarten, Eintritt fünf Euro, ermäßigt drei Euro.

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