BKP Berolina : Volles Rohr

Eine findige Idee, ein neuer Investor: BKP Berolina macht Furore mit günstigen Rohrsanierungen.

Rainer W. During
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"Wir sind global der einzige Betrieb, der ein solches Produkt in einem einzigen Arbeitsschritt herstellen kann und sind deshalb der kostengünstigste Anbieter auf dem Weltmarkt.“
Ralf Odenwald, geschäftsführender Gesellschafter



Der „Berolina-Liner“ aus Staaken ist weltweit ein Hit – eine Technik, ohne Grabung Rohre zu sanieren. Von Kanada über Südafrika bis Australien ist das Berliner System im Einsatz. In Japan wird es sogar in Lizenz gebaut, in Deutschland soll die Produktion bald verdoppelt werden. Doch auch beim Schutz neuer Rohrleitungen vor Korrosion und Beschädigung sind die Spandauer gefragt, werden jetzt auch ein Teilstück der neuen Ostsee-Pipeline verpacken.

Das Unternehmen sitzt in einem denkmalgeschützten Flugzeughangar des ehemaligen Flugplatzes Staaken am Zeppelinpark. Nach der Freigabe des Areals durch die Rote Armee war hier der VEB Plastverarbeitungswerk Staaken entstanden, wo mehr als 1000 Beschäftigte ein Sammelsurium an Produkten fertigten – von Helmen über Handwaschbecken bis hin zu den Gülletanks für die DDR-Landwirtschaft und Kunststoffschüsseln für Ikea. Auch Panzerattrappen sollen zur Produktpalette gehört haben.

Nach der Vereinigung und der Rückgemeindung Weststaakens nach Berlin schrieb der Betrieb horrende Verluste, bis ihn die Spandauer Firma BKG von der Treuhand erwarb. 1995 kam Ralf Odenwald als Geschäftsführer ins Unternehmen. Der fränkische Diplom-Ingenieur brachte die Idee für ein bahnbrechendes Rohrsanierungssystem mit. Zwei Jahre dauerte die Entwicklung. Kurz nach der Markteinführung starb der damalige Inhaber der Berolina Gruppe, zu der die BKP gehörte. Es drohte die Insolvenz. Ralf Odenwald fand in der Greffenberger AG einen Partner, der in das Potenzial der neuen Geschäftsidee vertraute. Die Industrieholding übernahm 75 Prozent der Firmenanteile, der Geschäftsführer stockte seinen eigenen auf 25 Prozent auf. Seitdem geht es bergauf in Staaken. „Wir sind global der einzige Betrieb, der ein solches Produkt in einem einzigen Arbeitsschritt herstellen kann und sind deshalb der kostengünstigste Anbieter auf dem Weltmarkt“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter.

Das genaue Produktionsverfahren ist geheim. Der „Berolina-Liner“ besteht aus mehreren Lagen von Glasfaserkomplexen und/oder Polyesterbahnen, die mit einem Harz getränkt sind. Er wird mit einer Winde über eine Gleitfolie in die defekte Leitung gezogen, mit Druckluft an die Rohrwand gepresst und mit UV-Licht gehärtet. Das Ganze ist dann wesentlich glatter als das ursprüngliche Rohr und garantiert eine höhere Durchflussgeschwindigkeit, obwohl der Rohrdurchmesser um bis zu zwölf Millimeter verringert ist. Die auf einen Lkw montierte Installations-Ausrüstung wird von einer gemeinsamen Tochtergesellschaft mit einem Schweizer Maschinenbauer geliefert.

Rund 80 Prozent des Umsatzes macht heute das Liner-System aus, in dessen Entwicklung und Produktion rund fünf Millionen Euro investiert wurden. Ein weiterer Geschäftszweig ist eine Ummantelung aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK), die Rohre selbst in schwierigen Bodenverhältnissen vor Beschädigungen schützt. „Wir haben eine hunderprozentige Erfolgsquote selbst in Fels“, sagt Odenwald. So wurde nicht nur die durch den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer verlaufende Leitung zur Bohr- und Förderinsel Mittelplate in Staaken bearbeitet. Auch die Konstrukteure der Ostsee-Pipeline haben die Vorzüge entdeckt und BKP Berolina den Zuschlag zunächst für einen Abschnitt von 7,2 Kilometern erteilt. 400 jeweils 18 Meter lange Rohre mit einem Durchmesser von 1,40 Meter werden in Staaken beschichtet. Bei der Anlieferung wiegen sie je 14 Tonnen, wenn sie das Werk verlassen, sind sie eine Tonne schwerer.

Die Firma hat ihren Umsatz von sechs Millionen Mark im ersten Betriebsjahr auf inzwischen 16 Millionen Euro gesteigert. Schon seit 1994 wird bei BKP Berolina Westlohn gezahlt, gibt es Weihnachtsgeld und Gewinnbeteiligung. Ralf Odenwald lobt die hohe Motivation der Mitarbeiter, deren Zahl von 38 auf 57 gewachsen ist. Zehn Beschäftigte sind bereits seit mehr als 40 Jahren im Betrieb. Auch zwei Auszubildende und ein Werkstudent gehören zum Team.

Jetzt soll die wegen der großen Nachfrage bereits rund um die Uhr laufende Liner-Fertigung, bei der übrigens keine Schadstoffemissionen entstehen, verdoppelt werden. Dafür ist ein Neubau erforderlich. Er wird wohl nicht in Spandau stehen. Der Bezirk bemüht sich erst seit drei Monaten um den Innovationsbetrieb. „14 Jahre lang hat man uns nicht wahrgenommen“, sagt Ralf Odenwald. Wahrscheinlich ist, dass die Firma an einen brandenburgischen Standort innerhalb des Autobahnringes zieht. Rund fünf Millionen Euro wird man dort investieren. Das bedeutet auch 20 neue Arbeitsplätze.

www.bkp-berolina.de

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