Zeitung Heute : Black Box DVB

Wer sich nach dem Fernseher von morgen umschaut, muss sich auf neue Übertragungswege und Multifunktionsgeräte einstellen

Peter Dehn

Vielen Fernsehzuschauern ist erst nach Abschaltung des herkömmlichen, terrestrischen Antennenfernsehens im vergangenen Jahr bewusst beworden, dass es da eine neue Art der Übertragung gibt. Ohne Zusatzgerät empfängt sich gar nichts mehr. Den Geräteherstellern sind die Cebit und der bevorstehende Start des digitalen Antennenfernsehens (DVB-T) in weiteren Regionen Deutschlands Anlass, ihre Neuheiten für diese Produktgruppe vorzustellen. Nach dem Mehr an Programmen mit besserer Bildqualität und digitalem Mehrkanalton wird nun ein weiteres Versprechen des „Überall-Fernsehens“ realisiert. ARD und ZDF senden schon interaktive Angebote auf Grundlage der Multimedia Home Platform (MHP). Weitere Anwendungen sind im Testbetrieb. Die Firma Humax kündigt den ersten MHP-fähigen Antennen-Empfänger DTT-4000 MHP an.

Eine wichtige Erweiterung des Geräteparks sind „ Twinboxen“ , die es vom koreanischen Hersteller Topfield nun auch für den Antennenempfang gibt. Während ein Kanal im Fernsehen läuft, kann mit dem anderen ein Video aufgenommen werden.

Einen weiteren Fortschritt in Sachen Videoaufzeichnung bereitet Sony mit seiner Set-Topbox VTX-D800D vor. Ziel der Ingenieure ist es, die Programminformationen des Digitalfernsehens als Ersatz für die fehlende VPS-Funktion zu nutzen. Sind die von den Programmveranstaltern gesendeten Daten standardkonform, wäre eine korrekte Aufzeichnung von DVB-T-Sendungen auch bei Programmänderungen möglich.

Und was ist nun mit dem guten, alten Videorekorder und der großen Kassettensammlung zu Hause, die bewahrt werden will? Eine Lösung bringt die Multifunktionsbox SV DVD-54T von Samsung: Für 350 Euro bekommt man DVD-Player, VHS-Rekorder und DVB-T-Empfang regalplatz-sparend in einem Gerät.

Neues gibt es in Hannover auch für alle, die am Computer fernsehen wollen. AverMedia zeigt die Settopbox DVB-T STB3, die direkt mit dem PC-Monitor verbunden wird. Laut Hersteller ist die Einblendung des TV-Bildes bei laufendem PC-Betrieb möglich. Eine weitere Lücke im Sortiment schließt die Münchner Firma Elgato: Die Box EyeTV400 macht den Apple-Computer fit für DVB-T. Eine Empfangskarte im PC-Card-Format für Apple- und Windows-Notebooks soll für etwa 200 Euro und mitsamt einer Aktivantenne, die am Display angeklemmt wird, ab Mai ausgeliefert werden. Sie ist an den Ständen von SCM Microsystems, bei T-Systems und des DVB-T-Pilotprojektes Norddeutschland zu sehen.

Mit einer umfangreichen Neuheitenliste zielt TechniSat auf die neuen DVB-T-Gebiete. Das nicht in Hannover präsente Unternehmen, das in Sachsen und Sachsen-Anhalt produziert, verweist auf die Box DigiPal 1 mit einem mehr als 50prozentigen Marktanteil in Berlin. Mit dem DigiCorder T1 kommt ein Festplattenreceiver für 350 Euro, für Computerseher gibt es eine USB-Box und eine PCI-Karte.

Einen LCD-Fernseher der Superlative mit integriertem DVB-T-Empfang kündigt Sharp an. Der 16:9-Bildschirm bietet unter anderem volle HDTV-Auflösung und einen Digital-Eingang. Der integrierte PC-Karteneinschub erlaubt laut Hersteller das Abspielen von digitalen Diashows, das Aufnehmen von Screenshots und den Mitschnitt von TV-Sequenzen im MEPG-4-Format.

Während DVB-T bald in weiteren Bundesländern startet, kündigt die Medienanstalt Berlin-Brandenburg ein Pilotprojekt für DVB-H an. Der Buchstabe „H“ steht für „Handheld“. Diese Variante des digitalen Antennen-Fernsehens zielt auf die mobile Nutzung von Fernsehen und Diensten. Für die kleinen Displays von Handys und PDAs ist eine, verglichen mit einem üblichen Fernseher, geringere Bildauflösung ausreichend. Das neue Verfahren komprimiert die Bilddaten, sodass 40 und mehr TV-Programme in einem Übertragungskanal untergebracht werden können.

An der Integration mobiler Dienste wirkt unter anderem das Berliner Forschungsprojekt Broadcast Mobile Convergence mit. Auch wenn zurzeit keine Anwendungen „in der Luft“ sind, kann man sich in Hannover erste Eindrücke verschaffen, unter anderem bei Philips. Nokia gab seinem Mobiltelefon 7700 den Namenszusatz „ Mediahandy “. Für die in mehreren europäischen Städten geplanten DVB-H-Pilotprojekte haben die Finnen ein rückseitig andockbares Zusatzgerät entwickelt. Informationen über „neue Wege der Vernetzung mit DVB-H“ gibt es am 19. März im Vortragsforum Future Talk (Halle 11, 10 Uhr).

Die Hersteller in den Cebit-Hallen, Stände: Humax (1, 2k1); Sony (2, C02); Samsung (21, B44); AverMedia (23, A37); T-Systems, Telekom (26); Philips (21, B02); Nokia (26, E68).

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!