Zeitung Heute : Blaue Briefe an IBAG-Mitarbeiter sind raus

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Die blauen Briefe sind raus. Einige hundert IBAG-Angestellte wissen nun, was Vorstandschef Reinhardt Gennies in einem internen Brief (siehe Bericht unten) "schmerzliche, aber nicht zu umgehende Einschnitte" nennt. Bei Bauträger Bavaria sollen von heute 350 Mitarbeitern 70 übrig bleiben. Bei der Architekten- und Ingenieursgesellschaft Bautrako soll die Hälfte von 150 Angestellten gehen. Betroffene Arbeitnehmer sagen, die Methoden der Arbeitgeber seien rüde: Sie fühlten sich durch die schriftliche Mitteilung mit beiliegender "Aufhebungsvereinbarung" unter Druck gesetzt. Der Grund: Sie sollen ihre Unterschrift binnen einer Woche leisten und nur eine Minimal-Abfindung erhalten. Dabei hatte Bankchef Wolfgang Rupf mit den Gewerkschaften für seinen Konzern einen Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen vereinbart.

"Wir bedauern auch Ihnen mitteilen zu müssen, dass wir keine Möglichkeiten für einen weiteren Bestand Ihres Arbeitsverhältnisses sehen", schreibt die Geschäftsführung einer Betroffenen. Der Betriebsrat sei zuvor nicht angehört worden. Zudem setzten die Verfasser eine Frist von einer Woche zur Annahme des Aufhebungsvertrages. Der Brief schließt: Das Angebot erfolge "freiwillig, da eine Sozialplanpflicht nicht besteht."

Gegen solche Behauptungen laufen einige Mitarbeiter Sturm - andere unterschreiben. Herbert Beinlich, IBAG-Sprecher, sagt, es liege ein rechtsanwaltliches Gutachten vor, wonach der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen nur für die Bankgesellschaft (BGB) und nicht für die IBAG-Gruppe gelte. Dabei ist die IBAG eine hundertprozentige Tochter der BGB und durch einen Ergebnis-Abführungsvertrag über Verlustübernahmen und Gewinnabgaben gebunden.

Gäbe es eine Pflicht für einen Sozialplan, dann müssten die Kündigungen im Einvernehmen mit Betriebsräten und Gewerkschaften erfolgen. Daher werten Betroffene den Versand von Aufhebungsverträgen mit Fristsetzung und vor Anhörung der Betriebsräte als Versuch, die von Rupf für den Konzern getroffenen Vereinbarungen auszuhebeln. Beinlich hält dagegen: Betriebsräte und Mitarbeiter seien frühzeitig über den Sanierungplan informiert gewesen.

Ein Sozialplan würde die Lage der IBAG weiter verschlechtern. Der Bankenkonzern alimentiert seine Tochter bereits mit Krediten, weil niemand mehr die Anteile der zwei im Jahr 2000 aufgelegten Fonds kaufen will. Finden sich auch langfristig keine Anleger, muss die Bank die fehlenden Millionen zuschießen, weil sie eine "Schließungsgarantie" gegeben hatte. Dieses Garantie-Risiko beziffert Roland Berger mit 100 Millionen Euro nur für den Fonds "Universal 1". Wegen des stockenden Geschäfts zögert die IBAG auch mit der Öffnung eines weiteren für 2001 vorgesehenen Fonds. Während so geplante Einnahmen fehlen, steigen die Kosten: Beraterverträge, hohe Personalkosten, Millionen für Aufhebungsverträge.

Insidern zufolge dürfte die IBAG daher die Bilanz des Bankenkonzerns mit Verlusten von rund 200 Millionen Euro belasten. Da zudem der Rückbau die Substanz der Gesellschaft verzehrt, sei von einer Herabsetzung des Unternehmenswertes auszugehen: Die IBAG steht derzeit mit 1,5 Milliarden Mark in den Büchern des Bankenkonzerns. Hier sei mit Abschreibungen von 400 Millionen Mark zu rechnen.

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